Die Hebammenproblematik. Erneut. Immer noch. Immer wieder.

irzp32Ich schrieb heute einen Eintrag in meinem geliebten Forum zu der Problematik, in den ich viele Links packte und der Vollständigkeit halber hier auch nochmal (leicht editiert) veröffentlichen möchte. Das Thema liegt mir nämlich sehr am Herzen – unabhängig davon, ob ich nochmal ein Kind bekomme oder nicht.

Im Forum wurde dieser Film verlinkt: Die Haftpflichtproblematik und ihre Bedeutung für uns Eltern, woraufhin der folgende Satz kam:

Einerseits will man eine möglichst „natürliche“ Geburt (und auf keinen Fall in einem Krankenhaus entbinden), andererseits ist man bereit die Hebamme in Grund und Boden zu verklagen, sollte dann ein Problem auftreten.

Das ist eine gern genommene, leider falsche Annahme. Das Problem daran ist nicht, dass es horrend viele Klagen geben würde (die sind nämlich nicht gestiegen), sondern dass Kinder, die aufgrund von Geburtschäden schwerste Folgen davontragen, heutzutage deutlich länger überleben als noch vor wenigen Jahren und die Folgekosten entsprechend in die Höhe schießen. Quelle

Ein weiterer Punkt, der ebenfalls aufkam, war das Argument vieler, nämlich dass es zwar etwas weniger Hebammen insgesamt geben würde, aber ja nicht alle aufhören würden und auch wenn die Versorgung in ländlichen Gegenden schlechter würde, die klinisch angestellten Hebammen die Frauen genauso gut versorgen würden wie freiberufliche.

Punkt 1: Die Versorgung IST bereits deutlich schlechter (und das bei weitem! nicht nur in ländlichen Gegenden) geworden.

Punkt 2: Die festangestellten Hebammen in Kliniken können Frauen eben NICHT genauso gut versorgen wie freiberufliche Hebammen, weil es bei der ganzen Sache auch bei weitem nicht nur um die tatsächliche Geburtshilfe geht. Es geht um Vor- und Nachsorge, Vorbereitungskurse, Stillhilfen und und und. All das ist mit gefährdet. Außerdem weist die klinische Geburt deutlich mehr Restriktionen durch Mediziner auf als die außerklinische. Es ist erwiesen, dass die komplikationslosesten Geburten (und das beinhaltet das Wohlergehen der Frau und nicht nur, dass am Ende ein gesundes Kind dabei rauskommt) durch eine 1:1-Betreuung von Hebamme zu gebärender Frau gewährleistet ist. Das ist in Kliniken nicht so gegeben, da diese meistens unterbesetzt sind und sie durch diverse Klinikvorschriften unter permanentem Zeitdruck sind.

Achtung! Ich werfe das nicht den klinisch angestellten Hebammen vor, sondern dem System, innerhalb dessen sie arbeiten müssen. Auch möchte ich nicht klinische Geburten per se bashen, da es viele viele Fälle gibt, in denen sie super laufen und auch viele, bei denen sie aufgrund von Dingen™ nötig und wichtig sind.

Wir haben in Deutschland eine Kaiserschnittzahl, die fast dreimal so hoch ist wie empfohlen wird („Es gibt inzwischen circa 33% Kaiserschnittgeburten in Deutschland. 10 bis 15% hält die WHO überhaupt nur für gerechtfertigt.“) und klinische normale Geburten gibt es fast gar nicht. Zum Thema Hausgeburt, weil viele unter dem Eindruck sind, dies sei die risikoreichste Geburt:

„Es gab keinen Beleg dafür, dass geplante Hausgeburten bei Frauen mit niedrigem Risiko eine erhöhte Gefahr für die Mutter darstellen – zumindest in einem Gesundheitssystem mit gut ausgebildeten Hebammen und einem funktionierenden Überweisungs- und Transportsystem.“ (Quelle)

Studien zum Thema außerklinische Geburt. Und: Großbritannien z.B. ist vermutlich neben den Niederlanden das nächste Land hier in Europa, das die Hausgeburt zum Standard erhebt, ohne dass die Zahl der Geburtskomplikationen höher wäre als anderswo! (Quelle)

Ich würde inzwischen aufgrund der vielen Übergriffserfahrungen, die Frauen in der Klinik gemacht haben, sogar sagen, dass eine außerklinische Geburt sicherer ist als die klinische.

Wobei natürlich besonders letzteres von meiner persönlichen Erfahrung eingefärbt ist. Aber es geht mir auch gar nicht darum, Gebärende von den Kliniken abzuschrecken oder Angst zu machen, mitnichten. Sondern es geht um die Wahlfreiheit, die wir als Frauen (und Eltern) haben sollten, die uns auch gesetzlich zusteht. Somit geht es bei der ganzen Sache bei weitem nicht nur um die Rettung eines gesamten Berufstandes, sondern auch um das Selbstbestimmungsrecht von uns Frauen. Um UNSER Recht, selbstständig zu entscheiden, wo und wie wir unsere Kinder auf die Welt bringen. Darum, dass wir nicht bevormundet, sondern aufgeklärt werden. Darum, dass wir über unseren Körper eigenständig verfügen können und nicht unter (wirtschaftlich bedingtem) Zeitdruck entbunden werden.  Darum, dass auch unsere Männer oder Frauen eine schöne Geburt mit uns erleben können und wir nicht erstmal ein Geburtstrauma aufarbeiten müssen, weil wir nicht so entschieden hätten, wie es uns aufgedrängt wurde. Es geht um uns alle.

Deshalb: BITTE BITTE die Petition unterschreiben!!

 

One Reply to “Die Hebammenproblematik. Erneut. Immer noch. Immer wieder.”

  1. […] kann man den Blogpost von Julie noch […]

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