Jack of all trades.

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Eigentlich wollte, sollte ich einen meiner fünf Blogposts verfassen, die ich auf Halde habe. Erzählen, nachholen, berichten.

Aber nach dem gestrigen Bewerbungsgespräch fühle ich mich aber so schwimmend, schwammig und grundfrustriert, dass ich nicht mag. Mich nicht auf etwas konzentrieren will und kann, das was anderes als 500ml Macadamia Nut Eis oder Schokolade ist, weil ich nicht darüber nachdenken mag, in welcher Sackgasse ich mich gefühlt befinde.

Ich gestehe: ich weiß nicht, was ich will. Beruflich jetzt. Ich beneide Menschen, die genau wissen: „Das will ich machen und nichts anderes.“ Ich habe keine „Berufung“. Ich habe drei verschiedene Studien begonnen, eins beendet, wovon ein Fach ein totaler Griff ins Klo war. Ich bin Geisteswissenschaftlerin, die Literaturwissenschaft studiert hat, aus Freude an Literatur, aus Interesse an Kultur und Geschichte – aber ich war nie gut genug (und hatte auch nicht die Ambition dazu), um Professorin zu werden. Ich habe studiert, ohne ein klares Berufsbild vor Augen zu haben, ohne zu wissen „ja, ich will mal Dortunddort arbeiten!“. Statt dessen hab ich mich kreativ ausgetobt: mit Schreiben, Malen, Dichten, Theater und Rollenspiel, tiefsinnigen Gesprächen, Organisation, Cons, Singen, sozialen Themen und Computerspielen. In allem war ich gut, in nichts war ich so gut, dass ich hervorstach oder es beruflich hätte machen können – gerade die kreativen Berufe brauchen „Hervorstechen“, um davon leben zu können. Es machte mir nichts aus. Ich dachte immer, es wird sich schon was finden.

Tat es auch. Ein Nebenjob als technischer Redakteurin verschaffte mir meinen Arbeitsplatz im Bereich technische Dokumentation und brachte mich durch Zufall ins Qualitätsmanagement.

Und jetzt, sieben Jahre nach dem Studium und fünf Jahre nach dem Berufseinstieg komme ich nicht mehr da raus. Ich hab zwar meine „Passion“, meine kreativen Outlets, nie aufgegeben und auch als dauerhaften Begleiter in meinem Lebenslauf, aber nie in einem ausreichenden oder professionellem Maße, dass sie mir „beruflich was bringen“.

In dem Gespräch gestern sagte er – abgesehen davon, dass sie grad keinen Job für mich haben, ich fachlich nicht ins Haus passe und er nur mal schauen wollte, ob er noch was „finden“ kann und wie ich charakterlich so drauf sei und ich könne ja schonmal ehrenamtlich ein Projekt konzeptionieren, eventuell, wenn es Gelder gibt, würde dann da ganz vielleicht ein Job draus… – dass er das Gefühl habe, dass mich gerade das Theater, das Kreative, mehr prägen würde als mein eigentlicher Beruf. Und das stimmt. Nur weiterhin nicht so, dass mich deshalb jemand einstellt.

Jack of all trades. Hansdampf in allen Gassen. That’s me. *slow clap*

Ich bin mir sicher, dass ich auch in den kreativen oder sozialen Berufen, gerade wenn es darum geht, Organisation zu übernehmen oder ähnliches, sehr gut wäre. Aber es stellt mich niemand ein, weil ich zwischendurch einen Job in der Wirtschaft bekommen habe, anstatt mein Kulturmanagementstudium zu beenden, das ich aus Unimüdigkeitsgründen mit bereits einem Abschluss in der Tasche abbrach. Hätte ich nur, hätte ich nur. Jetzt gibt es den Studiengang in der Form auch nicht mehr. Jetzt steck ich fest.

Ja natürlich gibt es Möglichkeiten. Die sinnvollste ist vermutlich, doch noch ein berufsbegleitendes Studium in Richtung Kulturmanagement zu machen. Das bedeutet aber auch, noch weitere Jahre in einem Bereich tätig sein zu müssen, der mich inhaltlich null interessiert und der auch auf persönlicher Ebene frustran ist.

Außer ihr habt alle Lust, mich für’s Bloggen zu bezahlen 😛 Ich schreib auch täglich, versprochen 😉

7 Replies to “Jack of all trades.”

  1. Ich kenne diese Gedanken gut. Meine persönliche Lösung war, das Thema „Lebensaufgabe/Lebenserfüllung“ vom Thema „Geldverdienen“ abzukoppeln. Wir haben seit ein paar Jahrzehnten eine ziemlich gefährliche (meiner Meinung nach) Narrative, nach der der Beruf Erfüllung und Berufung sein MUSS. Das führt zu viel Frust und Orientierungslosigkeit, weil uns dieses Idealbild vermittelt wurde von jemandem, der liebt was er beruflich macht und darhin seine Erfüllung findet. Und wenn das dann nicht funktioniert, wird’s (sinn-)kritisch. Ich selbst habe nur Sozialarbeit studiert, weil mir nix besseres eingefallen ist und weil ich in nichts so gut war, dass sich das von vorneherein als Fach aufgedrängt hätte. Ich arbeite, um Geld zu verdienen, damit ich mir die schönen Dinge des Lebens leisten kann. Das heißt nicht, dass ich nicht Wert darauf lege, meine Arbeit gut zu machen, aber ich habe aufgehört, von meiner Arbeit irgendeine Art von persönlicher Erfüllung zu erwarten. Sie zahlt meine Rechnungen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das mag wie Resignation klingen, aber für mich hat es auch viel Entspannt, als endlich der „aber es muss einen doch erfülleeeeen“-Druck weg war.

    1. Das ist im Endeffekt auch das, was ich bislang so gemacht habe und auch halbwegs gut gefahren bin. Aber mein Problem ist tatsächlich die aktuelle Situation auf der Arbeitsstelle, die mich tatsächlich auf persönlicher Ebene belastet. Ich muss nicht die totale Erfüllung in meiner Arbeit haben, definitiv nicht. Aber negativ belasten darf sie mich halt auch nicht und zumindest einen Hauch von Spaß oder Sinn hätte ich gern darin, gerade weil ich einfach so wahnsinnig viel Zeit damit verbringe. Erschwerend hinzu kommt, dass der Marburger Arbeitsmarkt sackenschwierig ist (ich würd gern weniger als 11 Stunden täglich mit Arbeit und Weg dahin verbringen…) und die meisten Stellenbeschreibungen lösen in mir ein akutes GÄÄÄÄHN oder sogar Abwehr aus.

  2. (Holy Rechtschreibfehler, Batman – sorry ey, ich habe einen Kater auf den Armen liegen und Tippen ist heute nicht meine Stärke 😉 )

  3. oh, das ist mir sooo bekannt. Nur mit dem Unterschied, dass ich aus Vernunftsgründen dann ein technisches Studium gemacht habe und dann beruflich gescheitert bin. Aber eben. Ich kann einiges, aber nichts gut genug um damit tatsächlich Geld verdienen zu können. Nicht mal das, was ich studiert habe kann ich anscheinend gut genug, doof, dass auf dem Papier was anderes steht und die Menschen mich dann für überqualifiziert halten.

  4. Ich weise darauf hin, dass das Sprichwort noch weiter geht:

    Jack of all trades, master of none,
    though oftentimes better than master of one!

    Ein Generalist anstelle eines Spezialisten zu sein ist ja per se nichts schlechtes. Das Andere nennen wir ja auch liebevoll Fachidioten. 😉
    Also vom Grundsatz her halte ich Jack of all Trades für eine sehr solide Basis.
    Gefühlt ist dein Hauptproblem auch nicht, dass du nicht noch etwas anderes neu dazu machen kannst sondern vielmehr das es einfach eine gewisse Zeit dauern würde, oder? Eine zeit mit Doppelbelastung und in der es halt „so weiter geht wie bisher“?

    Wären unter Umständen kompaktere Kurse online anstelle eines kompletten Zweitstudiums was für dich? Dinge, in denen du in einem Überschaubaren Rahmen von 2-6 Monaten Resultate bekommst und dich nicht auf 2+ Jahre festlegen musst? Dinge wie Coursera fallen mir da ein. (Die meisten Kurse kann man ja mit Grades und Zertifikat belegen wenn man möchte)

  5. Oh, das kenne ich nur zu gut. Ich habe schon tausend Dinge (nur hobbymäßig) ausprobiert und kann nix richtig. Meinen Beruf finde ich tödlich langweilig und bin permanent unterfordert. Ich finde die von Stina angesprochene Entwicklung auch problematisch. Es ist einfach ziemlich unwahrscheinlich, dass jeder da draußen seinen Traumberuf findet. Man wird aber heute allzu sehr über seinen Beruf definiert und definiert sich auch selbst zu sehr darüber. Ich will eigentlich auch den Weg gehen, dass mein Beruf mir Zeit und Geld für meine Hobbys lässt. Manchmal bin ich davon überzeugt, manchmal kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das aushalte. Meine Kollegen sind nicht übermäßig toll und die Gesamtsituation, neben mangelnder Begeisterung meinerseits, sehr unschön. Ich suche auch schon wieder nach ner anderen Stelle. Aber ich weiß, dass ich nie neu anfangen werde, denn ich weiß ja nicht, was ich genau will. Und mit meiner Ausbildung kann ich nichts anderes machen. Da würde nur ein totaler Neuanfang helfen. Das Problem ist, dass ich mich für alles begeistern kann, aber nicht für längere Zeit. Ich liebe es, Neues zu lernen. Ich bin geradezu süchtig danach. Aber wenn ich eine Basis an Wissen habe, ziehe ich weiter, weil es langweilig wird. Ich bin ein „Scanner“, wie Barbara Sher es nennt (ich kann ihre Bücher sehr empfehlen). Mich in eine Sache vertiefen, ein Experte werden, das ist nicht meine Welt. Damit wird die Berufswahl aber schwierig, denn so viele Stellen gibt es für solche Menschen nicht.

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