Tarot und seine Bedeutung für mich

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Ah, Tarot. Wahrsagung. Offenbarung. Ohrfeige.

Ich schrieb hier bereits ein bisschen darüber, wie es mir mit Tarot geht, doch theduckling’s Frage in den Kommentaren geht auf etwas ein, das ich sehr wichtig finde, wenn es um Tarot und auch um andere „Wahrsagungstools“ geht.

Sie und ich sehen eine Sache sehr ähnlich:

Ich hatte schon viele beeindruckende Erkenntnisse durch sie. Allerdings glaube ich nicht, dass sie von irgend etwas “Größerem” gelenkt werden, was auch immer das für den Einzelnen ist.

Das glaube ich auch nicht. Nun mag das in meiner Spiritualität begründet sein, die ohnehin nicht von einem gottähnlich lenkenden übermächtigen Wesen ausgeht, allerdings glaubte ich das auch schon nicht, als ich mich noch als Christin bezeichnete. Ich halte eine solche Sichtweise – also dass die Karten Ratschläge eines Gottes sind – aber auch für gefährlich. Das verführt dazu, sämtliche Entscheidungen den Karten zu überlassen (wenn man so veranlagt ist) und keine eigene Verantwortung zu übernehmen. In Extremfällen kann es sogar dazu führen, nichts mehr tun zu wollen, ohne die Karten befragt zu haben, es ausgependelt zu haben oder oder oder. Ich glaube außerdem nicht an ein festes, unveränderbares Schicksal und denke deshalb nicht, dass irgendetwas eine exakte „Voraussage“ der eigenen Zukunft machen kann. (Deshalb mag ich es auch nicht, zu konkrete Fragen zu stellen. Ich frage nie, soll ich das oder jenes tun.) Ich glaube allerdings an Möglichkeiten, weshalb ich denke, dass einem die Karten einen Rat, etwas besonders zu beachten, mitgeben können, was in gewisser Weise durchaus eine Art Wahrsage ist.

Eine Reise ins Innere

Ganz allgemein gesprochen teile ich theducklings Ansicht darüber, was mir Tarotkarten sagen:

Für mich spiegeln Tarotkarten meine tiefsten Wünsche, Ängste und Bedürfnisse wider. Sie zeigen mir, was gerade wirklich in mir vorgeht, indem ich sie interpretiere. Sie geben mir die Möglichkeit anders, offener, klarer mit dem umzugehen, was ich zu einem bestimmten Thema empfinde.

Genau das ist es, was Tarot für mich bedeutet. Eine Leitlinie, die mich in mich selbst hineinführt und mich auf mich selbst zurückwirft. Manchmal sehr sanft, manchmal mit einer Ohrfeige. Wie Stina auf Instagram irgendwo sinngemäß schrieb: „Manche Karten klopfen freundlich an die Tür und bitten darum, reingelassen zu werden, andere stürmen rein, räumen den Kühlschrank aus und legen die Füße auf den Wohnzimmertisch.“ Sehr wahr. Ich habe Karten gelegt, die mich verwirrten und nichts in mir auslösten, andere gaben mir das Gefühl, in den Magen geboxt worden zu sein. Andere klopften mir freundlich auf die Schulter, bevor sie mich nach vorne schubsten, während mir wieder andere nur einen genervten Mittelfinger entgegenhoben.

Und ja, natürlich sind das nicht „externe Karten“, sondern alles ich. Ich weiß keine Antwort auf diese und jene frage, ich weiß eigentlich genau, was los ist und will es nur nicht wahrhaben, ich gestehe mir etwas ein, ich sage mir erneut und zum wiederholten Male, was los ist.

Die Legung

Auch wenn ich sage, ich glaube nicht, dass eine größere externe Wesenheit die Karten leitet, glaube ich hingegen durchaus, dass wir alle energetisch verbunden sind. Menschen untereinander und mit der Natur und allem Leben, was darin ist und uns umgibt. Deshalb halte ich es für möglich, für jemanden Karten zu legen und eine klare, offene, tiefgehende und treffende Botschaft zu vermitteln. Meine Interpretation der Karten anderer basiert auf dieser energetischen Verbindung. Diese größere, alldurchdringende Energie ist das, was ich am ehesten als göttlich bezeichne, die aber nicht losgelöst von uns ist.

Es gibt für mich zwei Arten, Tarotkarten zu legen, unabhängig von der Legung:

Intuitives Erspüren

Hierbei breite ich die Karten nach intensivem Mischen, währenddessen ich mich einfach nur versuche, zu erden, vor mir aus, schließe die Augen und konzentriere mich auf die Fragestellung, während ich meine Hand über die Kartenreihe führe und eine passende Karte „erspüre“. In der Regel kribbelt meine Handfläche oder wird wärmer, wenn sie an der korrekten Stelle ist.

Energetisches Mischen

Hierbei konzentriere ich mich bereits beim Mischen intensiv auf die Fragestellung, die als Leitsatz über der Legung schwebt und nehme dann die obersten Karten des Stapels für die Legung. Das ist die definitiv schnellere Legung und ist auch das, was ich mache(n lasse), wenn ich für andere Karten lege – dann mischt die entsprechende Person die Karten mit Konzentration auf ihre Frage und ich lege.

Zweiteres eignet sich besonders gut für große Legungen, also alles ab fünf Karten aufwärts (wer mal ein keltisches Kreuz mit dreizehn Karten gelegt hat, weiß, dass das in sich schon lang genug dauert!).

Welches Deck benutzt du?

Ich benutze zwei Decks. Das oben gezeigte „The Wild Unknown“, das vor ca. zwei Jahren den Weg zu mir fand und das sehr symbolträchtige „Thoth Tarot“ von Aleister Crowley (illustriert von Lady Frieda Harris, hier sieht man die große Arkana), das mein erstes Deck und eine große Liebe von mir ist. Welches ich bevorzuge, wechselt von Zeit zu Zeit; im Moment bin ich eher bei The Wild Unknown. Das liegt allerdings sicherlich auch daran, dass ich die Vision Seeker Journey bewusst mit diesem Deck gemacht habe, weil ich es bis dahin noch nicht sehr gut kannte.

Ein Werkzeug

Tarot ist für mich ein mächtiges Werkzeug, wenn es korrekt eingesetzt wird. Ich würde es allerdings nie benutzen, um tatsächliche Entscheidungen zu treffen – höchstens für eine klarere Sicht auf das, was ich will. Manchmal befrage ich lieber Runen, ein andermal mein Göttinnenorakel, je nachdem, nach was mir ist. Und manchmal vergeht ein Jahr, ohne dass ich etwas befragt habe. Wobei ich gerade durch Vision Seeker wieder gemerkt habe, wie gut es mir tut – allein das „sich Zeit nur für mich nehmen“. Vermutlich wird es deshalb in der Zukunft immer mal wieder Tarotkarten zu sehen geben. Ob hier oder auf Instagram.

4 Kommentare bei „Tarot und seine Bedeutung für mich“

  1. Vielen Dank für die Erklärung! Ich musste bei Stinas Zitat sehr lachen. So ähnlich geht es mir auch oft. Mal lösen die Karten gar nix aus, mal schlagen sie mir ins Gesicht. Obwohl ich das Gefühl habe, dass ersteres manchmal auch durch mangelnde Konzentration oder auch eine gewisse Ablehnung in mir ausgelöst wird. Es ist schon mal vorgekommen, dass ich zu ein und derselben Thematik sehr ähnliche Karten hatte, nur an unterschiedlichen Tagen. Mal war ich dafür zugänglich, mal überhaupt nicht. Klare Entscheidungsfragen stelle ich auch nie. Höchstens in die Richtung: „Was hält mich davon ab, eine Entscheidung zu treffen?“.

    Ich persönlich kann es mir nicht so recht vorstellen, von jemandem die Karten gelegt zu bekommen. Allerdings finde ich den Gedanken durchaus spannend, jetzt wo ich darüber nachdenke. Du hättest nicht zufällig Zeit und Lust, wenn wir uns sehen? Um selber für jemanden die Karten zu legen, fehlt es mir noch deutlich an Routine was die genaue Bedeutung der einzelnen Karten angeht, auch wenn ich die Bilder an sich gut kenne. Ich nutze das klassische Rider-Waite-Deck, weil mir die Bilder so vertraut sind. Eigentlich wollte ich immer mal was anderes ausprobieren, aber dieses Gefühl von nach Hause kommen gehört für mich irgendwie dazu.

    1. Ich mag das Raider-Waite-Deck ja gar nicht, die Bilder find ich total unschön…

      Aber klar leg ich dir gern die Karten! 😀 Pampa?

      1. 😀 Gerne.
        Ich kann jeden verstehen, der das Deck nicht mag. Es ist nicht wirklich schön. Aber Vertrautheit und so…

  2. […] hat sich niedergeschlagen in vielen Tarotlegungen für mich selbst und andere und in Gesprächen bis spät in die Nacht und in einem wunderschönen […]

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