Ein neuer Tag

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Gestern war ein dunkler, sehr dunkler Tag. Donald Trump wurde zum Präsidenten der vereinigten Staaten gewählt, mit einer unfassbar knappen Mehrheit. Ich habe gestern viel geweint – nach dem Aufstehen, im Auto auf dem Weg zur Arbeit, zuhause als ich mit einer amerikanischen Freundin gechattet habe. Ich habe mich mit vollidiotischen Kollegen angelegt, die meinten, „Hillary wäre ja auch nicht besser gewesen“ und versucht, Optimismus im Netz zu verbreiten.

Warum es mich so mitnimmt?

Ich habe fest damit gerechnet, dass Hillary Clinton gewinnt – die Frau mit Erfahrung und Integrität. Statt dessen hat sich das weiße Amerika für einen offen rassistischen, homophoben, sexistischen, missbrauchenden, gefährlichen Mann entschieden. Ich brauche hier gar nicht groß aufzuzählen, wie grauenvoll Trump ist. Vielleicht sollte ich aber nochmal erwähne, für WIE GEFÄHRLICH ich ihn halte (und nicht nur ich).

Die Angst vieler, dass dies die letzten Wahlen sein könnten und der Vergleich von Trumps Aufstieg mit dem Hitlers ist nicht aus der Luft gegriffen.

Sein Sieg ist ein Sieg von Misogynie, Rassismus und LGBTQ-Phobie. Er ist ein Sieg des Weißen Mannes und einer „Alten Ordnung“. Er ist ein Zeichen, dass einem (weißen) Mann alles verziehen wird, während eine Frau perfekt sein muss, um überhaupt in Erwägung gezogen zu werden. Er ist ein Zeichen, dass sexueller Missbrauch und Frauenrechte der lauten Mehrheit egal sind. Er ist ein Zeichen, dass den Weißen in Amerika ihr Rassismus wichtiger ist als ihre ökonomische Sicherheit.

Mir war selbst nicht ganz klar wie symbolisch für mich die amerikanische Wahl war. Sie war für mich das offene Zeichen „Eine bessere, neue Welt“ vs „Die alte, patriarchalische, menschenunwürdige Ordnung“ und dass nicht genug Menschen wählen gegangen sind, um diese alte Ordnung umzuwerfen.

Die Sicherheit, das Leben, eine Lebenswürdigkeit von Menschen wie mir war der Mehrheit nicht wichtig genug, um ein Zeichen zu setzen.

Und das hat mich gestern vollkommen aus der Bahn geworfen.

Es macht mir wahnsinnige Angst. Angst um meine US-amerikanischen Freunde, die LGBTQA sind, die POC sind, die Frauen sind. Und es macht mir Angst, dass wir im nächsten Jahr mit der AfD im Bundestag ein ähnlich grauenhaftes Erwachen haben werden.

Aber gleichzeitig hat es mich auch bestärkt. Darin bestärkt, lauter zu sein. Sichtbarer zu sein. LAUTER ZU SEIN. Organisiert(er) zu werden. Denn wir müssen nächstes Jahr die Bundestagswahl rocken.

Wir müssen bunt sein, wir müssen sichtbar sein, wir müssen integrativ und offen sein. Wir müssen laut sein. WIR MÜSSEN WÄHLEN.

Ich versuche, den Rechtsruck, der sich im Moment in der Welt breitmacht, als Geburtswehen zu sehen.

„There’s a concept in behavioral therapy known as an „extinction burst“ — basically, when you’re trying to remove a behavior (let’s say in this case, xenophobia/misogyny/etc.) often you will actually see an increase in that behavior before it dies.

The old world order is SCREAMING right now. What I’m seeing tonight are the death throes of a system that cannot last.

Whatever the outcome, remember that what happens at the federal level is not the end of the story. We can take charge in our communities, and we can continue to move in the right direction.

Let ‚em scream. The rest of us have work to do.“

-Amanda Jennison-Sousa

Wir können es uns nicht mehr leisten, darauf zu vertrauen, dass die Mehrheit schon das Richtige tut. Das wird sie nicht. WIR müssen das Richtige tun. Und wir müssen ALLE MITNEHMEN.

Es ist ein neuer Tag. Lasst es uns anpacken.

2 Replies to “Ein neuer Tag”

  1. […] Welt verzweifle, ist mir dieser Post so wichtig. Denn auch wenn im Großen etwas nicht stimmt und dringend etwas geändert und getan werden muss, geht das Leben im Kleinen fast erschreckend unverändert weiter. Und meine Kinder interessiert ein […]

  2. […] Doch ich kann nicht. Ich darf nicht. Niemand von uns darf. […]

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