Mit Kinderaugen

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Man sollte viel häufiger Dinge mit Kinderaugen betrachten. Den Zynismusfilter, der sich über den Lauf der Jahre hinweg angesammelt hat, einfach mal ausschalten und sich dieser ungetrübten, unschuldigen und unwissenden Freude öffnen, zu der Kinder noch fähig sind. Nirgends ist mir das so deutlich geworden, als ich mit den Jungs im Baumarkt in der Weihnachtsabteilung war.

Weihnachten bedeutet strahlende Kinderaugen, echt wahr. Die vielen Lichter, das Weiche, Warme, Kerzen, Tannengrün, Spielzeug, Sterne – alles ist voller Dinge, die man entdecken kann. Seit einer Woche steht im Kindergarten ein geschmückter Tannenbaum und jeden Tag entdecken die Jungs was Neues daran. „Ein Pferd!“ – „Ein Kind! – Warum schreit das?“ (Es sollte ein singender Engel sein.) – „Oh guck mal, die schöne Kugel!“

Das allein ist ja immer schon total schön zu sehen (wenngleich auch manchmal etwas anstrengend, weil es das Abholen dermaßen in die Länge zieht…), aber die Weihnachtsabteilung war nochmal mehr. Zuerst mussten wir den oben gezeigten Weihnachtsstern UNBEDINGT mit Glitzer nehmen. Und wäre es nach den beiden gegangen, hätten wir aus dem „Zimmer“ (der etwas abgetrennten Weihnachtsabteilung) noch viel mehr mitgenommen als die Strohsterne und die Lichterkette.

Den weißen Hässlettenplastetannenbaum – „MAMA, da ist ein Schneebaum, wie schööön!“ – und den missgeformten Plastiklichterhirsch – „Mama, ein Babyreh, wie süß!“ – zum Beispiel. Die Lichterbäume wurden bestaunt und angefasst, alle Weihnachtskugeln mussten begutachtet werden und als sie die kleinen Lichterhäuschen sahen, die in einer Watteschneelandschaft aufgebaut waren, konnten die Augen nicht mehr strahlen. Die waren aber auch wirklich hübsch – inklusive kleiner Menschen und Straßenlaternen, die aufgebaut werden konnten, einer Kirche und einem weihnachtlichen Riesenrad. Alles sollte mit, die Kinder (Engel), die Sterne, die Laternen.

In ihren Augen war wirklich alles, was dort war, schön. Eine einzige wunderschöne, ungetrübte Erfahrung – und von denen können wir alle mehr gebrauchen.

One Reply to “Mit Kinderaugen”

  1. „Warum schreit es?“ :rofl: Großartig!

    Ja, manchmal sieht man in allem nur das, was einem das URTEILsvermögen darüber sagt. Im Grunde guckt man also gar nicht richtig hin. Wenn ich meine Kinderaugen auf mache, ist es wie Urlaub. Wie eine Auszeit. Das geht nicht immer und das ist auch gut so. Kritisch zu hinterfragen ist nicht per se schlecht. Aber manchmal ist es auch schön, einfach nur das zu sehen, was man gerade vor sich hat. Leider vergisst man diesen Blick im Alltag so furchtbar schnell.

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