Wie durch Zauberhand

Inmitten der politischen Katastrophensituation übersee und dem ominösen und unbefriedigenden Schweigen dazu hierzulande gibt es ja tatsächlich auch noch sowas wie den Alltag zu bewältigen. Und dieser Alltag (jetzt schrieb ich tatsächlich Alt-tag, eieiei…) beinhaltete für uns und die Zwillinge jetzt dreieinhalb Jahre lang viele, viele, viele Schnullis.

Na, wer hat die Vergangenheitsform bemerkt? Na? Na? 😉

Die Jungs haben früh und viel geschnullt und ich sah darin auch nie ein Problem. Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass sie nur Schnuller mit kiefergerechtem und symmetrischen Saugteil hatten und mit großen Belüftungslöchern, sodass wir wirklich nie Probleme mit gereizter Haut hatten – konkret von Beginn an die Schnuller von MAM. (Die gibt es sogar in nachts leuchtend!)

Außerdem hatte ich selbst lange Zeit Schnullis. Drei an der Zahl, gleichzeitig. Einen zum Nucken und zwei, um mir die Wange zu streicheln. Die Zwillinge begannen mit einem, dann – um vom Einschlaffläschchen wegzukommen, selbst wenn es nur Wasser beinhaltete – zwei. Einen zum Nucken, einen in der Hand, den sie kneteten. Und diese Schnullis waren so, so oft Gold wert. Nicht nur, dass die beiden damit schnell einschliefen, es waren die Herzwärmer, die Beruhiger, das was sie immer runterbrachte, egal wie krank / übermüdet / genervt sie waren.

Ich wollte sie echt nicht missen. Trotz der mir sehr bewussten Abhängigkeit davon, der Katastrophe, wenn sie mal verloren gingen, trotz dessen, dass sie oft nachts wach wurden, weil ihnen der Schnulli fehlte, trotz der Zähne. Und ich hatte echt Sorgen vor der Umstellung, weil die Jungs ihre Schnullis LIEBTEN.

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Und so beginnt es

Wir hatten natürlich mehr als nur vier da und die lagen auch griffbereit in einer Schale für die beiden im Kinderzimmer. Tagsüber wurde eh nur noch in absoluten Ausnahmesituationen geschnullt – Krankheitstage z.B. Abends stand besonders Heldenmini immer wie ein Gourmet vor der Schnullischale, mit wackelnden Fingern, und suchte sich den – nein, den – oh doch den blauen aus. Und obwohl wir seit mehreren Monaten immer wieder darüber gesprochen haben, ihnen die Dinger abzugewöhnen (auch mit den Zwillingen selbst), hatte ich Befürchtungen von tagelangen allabendlichen Schreiarien, schlaflosen Nächten und übermüdeten Kindern.

Tja. Hätte ich mir den guten Artikel von Gewünschtestes Wunschkind doch mal etwas mehr zu Herzen genommen. Denn: es war alles sehr viel leichter als befürchtet.

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Den endgültigen Anstoß, um es nun doch zu versuchen, hat mein Bruder gegeben, als er erzählte, dass meine Nichte, die vier Monate älter ist als die Zwillinge, seit Nikolaus schnullerfrei ist – den hat der Nikolaus nämlich mitgenommen. Zwei Tage Anstrengung und schwieriges Einschlafen und dann hatte es sich erledigt. Und damit war klar – wir werden es jetzt auch probieren.

Nun hatten wir keinen Nikolausanlass, der die Schnullis mitnehmen konnten, aber dafür hatte Leander die großartige Idee der Zauberkiste. Eine alte LARP-Kiste wurde hierfür verwandelt, nachdem wir die Jungs gefragt hatten, was sie denn gern für ihre Schnullis hätten: Ein Tyrannosaurus und ein Esel wurde sich gewünscht (und von uns heimlich besorgt. Und dann ging es daran, den Zauber in die Kiste zu kriegen.

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Es wurde fleißig gebastelt und gemalt, der Kiste ‚mitgeteilt‘ was sie statt der Schnullis wieder rausgeben soll, sie wurde mit Federn und Goldpapier und Glitzer gefüllt und mit Goldstift daraufgeschrieben für wen das Ganze ist und was und überhaupt. Ihre Namen und „Mama“ und „Papa“ haben sie selbst geschrieben:

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Und dann kam der große Moment: vollkommen freiwillig wurden abends die Schnullis reingelegt, damit sie nachts umgewandelt werden konnten.

Zumindest zuerst war es alles entspannt. Dann wurden sie richtig müde und Miniheld weinte sehr nach den Schnullis – aber gleichzeitig wollte er nicht auf seinen Dino und sein Geschenk verzichten. Wir haben es ihm freigestellt: Schnullis rausholen, aber kein Geschenk oder eben Geschenk und Schnullis weg.

Spannenderweise war Heldenmini, der eigentlich immer mehr an den Schnullis hing, von Anfang an entspannt – Miniheld kämpfte in den ersten beiden Nächten, aber nur mit dem Einschlafen. Nach vier Tagen gab es nochmal ein Geweine von Heldenmini, aber seitdem: alles ruhig. Seitdem, inzwischen fast zwei Wochen, sind wir schnullifrei und es wird auch nicht mehr danach gefragt.

Sie schlafen etwas weniger und sind früher wach, vermutlich weil sie sich nicht mehr müdeschnullen können morgens. Das ist noch etwas anstrengend, aber auch das pendelt sich langsam ein. Nachts schlafen sie etwas ruhiger und kommen später zu uns rüber – vermutlich, weil sie nicht mehr wegen fehlender Schnulli wach werden.

Alles in allem also eine Aktion, die viel, viel besser funktionierte als befürchtet und dazu noch Spaß machte. Also: auf geht’s mit der Schnullientwöhnung!


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One Reply to “Wie durch Zauberhand”

  1. Das ist wirklich eine sehr schöne Idee! 🙂 Freut mich, dass es so gut geklappt hat.

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