Lets talk about sex, baby

Sexy

Ich liebe meine Filterbubble. Wäre meine Filterbubble repräsentativ für den Rest der Welt, wäre sie eine bessere, offenere, sozialere, hilfsbereitere Welt. Viele meiner Filterbubble (zumindest meiner nicht-virtuellen) reden auch offen über Sex.

In privaten Gesprächen.

Aber anscheinend ist es überall verpönt, öffentlich darüber zu reden. Und damit meine ich noch nicht einmal, wirklich intime Details wie bevorzugte Stellung, Penisgröße oder wie oft/heftig/sacht/ausgefallen, wie oft man dabei zum Orgasmus kommt oder nicht. Sondern tatsächlich scheint manchmal schon die Tatsache, dass man Sex hat und es wagt, das auch noch anzudeuten, TMI, too much information, zu sein.

Besonders aufgefallen ist mir das letztens, als ich über diesen Tweet von Zesyra stieß:

Die einzige (!) Reaktion darauf war: „ZUVIEL DETAILS.möp möp möp“

Ich war verwirrt. Zuviel Details? Allein in der Tatsache, dass sie andeutet, a) Sex zu haben und b) woanders als im abgedunkelten Schlafzimmer? WTFBöh?

Gut, Schamgrenzen sind unterschiedlich. Aber hier wurden ja noch nicht einmal Details preisgegeben. Was ist es also, das hier Grund zum Anstoß gibt? Der Gedanke, dass die postende Person direkt nach diesem Tweet Sex hatte? Oder kurz davor? Ist es das? Ist es das Gefühl, „unmittelbar“ dabei zu sein?

Gerade in meiner Blogblubble, die primär aus Familienblogs besteht, meist von Frauen geschrieben, sind Beiträge wie Geburtsberichte oder das Thema Stillen keine Besonderheit oder Seltenheit, gerade beim Stillen ja auch die implizite (oder sogar explizite) Problematik des Stillens in der Öffentlichkeit (gegenübergestellt der sexualisierten Allpräsenz von Brüsten).

Wo wird also die Grenze gezogen? Die Intimität des Ganzen kann es ja nicht sein – außer ich bin die Einzige, die eine Geburt als ähnlich intim ansieht. Warum ist es okay, darüber zu sprechen und zu schreiben, wie man ein Kind durch seine Vagina presst, aber nicht, einen Vibrator zu empfehlen – oder darüber zu schreiben, dass man auf dem Küchentisch Sex gehabt hat/haben könnte?

Ich verstehe es wirklich nicht, wenn mir also jemand auf die Sprünge helfen kann – Kommentare sind willkommen 😉

Wenn wir mal ehrlich sind, ist es doch eine sehr willkürlich gezogene Grenze, was zu intim ist und was nicht. Aber es spiegelt sehr schön, wie verklemmt unsere Gesellschaft bei aller Sexualisierung doch noch ist. (Und auch ich selbst bin nicht frei von gewissen Hemmungen – sonst hätte ich im vorherigen Absatz mal einen Empfehlungslink eingebaut. Ähem. Bei Interesse – dm me.) Von der Realität von Sex ist nämlich die Darstellung von Sex in unserer Gesellschaft doch auch noch ein ganzes Stück entfernt. Von hyperstylten Menschen in Hochglanzoptik zu geschmackvollen (oder nicht) Schnitten in Filmen und Serien über den immer erfolgenden Orgasmus zu der „Sauberkeit“ von Sex, die alles eher weniger mit der amüsanten, unbequemen, zu kurzen/langen, spontan-leidenschaftlich bis routinemäßigen Realität von Sex zu tun hat und mehr mit einer pornös inszenierten und oftmals sehr vom male gaze geprägten Idealvorstellung von Sex. (Interessanterweise haben zwei Freundinnen und ich erst letztens ein Gespräch darüber, wie sehr uns bei der Darstellung von Sex das Lachen fehlt. Und a propos Idealvorstellung: hat tatsächlich jemand Spaß an Sex unter der Dusche?!)

Vielleicht würde es uns allen gut tun, etwas offener über das Thema zu sprechen. Nicht nur für uns, sondern auch unseren Kindern zuliebe. Um mit Vorurteilen aufzuräumen wie „Sex tut Mädchen beim ersten Mal immer weh“ oder „BDSM ist pervers aber 50 Shades of Grey ist voll sexy“ oder „Jungs müssen Erfahrung sammeln, Mädchen dürfen nicht“ oder „Jeder will Sex haben und wenn du es nicht willst, bist du komisch“. Da steckt so viel dahinter – von sexueller Identität zu Geschlechtsidentität, von Vorlieben zu Nötigung und sexueller Selbstbestimmung.

Denn – wie können wir unseren Kindern helfen, zu einem selbstbestimmten, selbstbewussten Menschen zu werden, wenn wir selbst einen so wichtigen Teil des Lebens derart verklemmt behandeln?

24 Gedanken zu “Lets talk about sex, baby

  1. Für mich ist es weniger das Problem selbst darüber zu reden, sondern eher die Sorge, ob man jemand anderem nicht damit zu nahe tritt. Selbst wenn ich das in der Vergangenheit schon mit der Person getan habe, fällt es mir schwer, einzuschätzen, ob das damals nur so eine Stimmung war, und ob das allgemein gilt.

    Dazu kommt, daß, weil ich ein Mann bin, damit die Sorge einhergeht, ob das nicht gleich als Anmache interpretiert werden würde.

    Und übrigens @Dusche: Ja, wenn die Dusche ausreichend groß ist 😉

    1. Ja, das kann ich verstehen – also grad das Problem mit der „Anmache“. Wobei es für mich eigentlich… hm. Ich überleg grad. Ich glaube, ich hatte nie den Fall, wo ich nicht unterscheiden konnte, ob etwas gerade Flirten ist oder ein „normales“ Gespräch.

      Und das Ding ist ja, dass selbst in Fällen, wo das Gespräch relativ dynamisch auf das Thema Sex kommt, dann viele betreten zur Seite schauen, obwohl man noch nicht einmal über eigene Erfahrungen sprechen muss/sollte.

      Generell eine größere Entspannung dem Thema gegenüber fände ich halt einfach schön. Damit man auch nicht sofort dieses (empfundene) Anzügliche im Gespräch hat.

  2. (Großartiges Bild, immer noch!)

    Hm. Ich weiß nicht so richtig, ob ich hier jetzt was Sinnvolles beitragen kann, aber ich bin da auch eher so der „verklemmte“ Typ. Ich glaub, ich hab tatsächlich noch nie mit wem über Sex geredet, mit dem ich nicht auch welchen hatte. Also solche „Sex-and-the-City-Gespräche“ mit irgendwelchen Freundinnen über die Erlebnisse der letzten Nacht – nope. Nie passiert. Teilweise auch aus Mangel an zu Berichtendem, aber nun ja, Themen gäbe es vermutlich genug. Ich finde es teilweise auch unangenehm, wenn Leute, die ich nicht gut kenne, mir da solche Infos entgegenwerfen (meine ehemalige Kollegin hat mir mal aufgezählt, welche Orte im neuen Haus sie mit ihrem Mann schon „eingeweiht“ hat und ich dachte nur so „zefuq, warum erzählst du mir das??“.)

    Tatsächlich fände ich es vermutlich weniger unangenehm, in einem öffentlichen Diskurs darüber zu schreiben oder zu reden als mit Leuten, die ich kenne. Ist irgendwie seltsam, aber so richtig wissen will ich das nicht, wer da gerne mit wem wie und wie lange … das ist so ähnlich, wie ich auch nicht unbedingt wissen will, wie es dem entzündeten Pickel am Hintern so geht oder was die Verdauungsbeschwerden machen. Es gibt natürlich wenig Grund, in Gesprächen mit Freunden so körperliche Themen auszuschließen, rein logisch betrachtet. Unangenehm wäre es mir aber. Ohne dass ich genau sagen kann, warum.

    Tja, das war jetzt vermutlich wenig hilfreich, sorry .

    1. Ach, schon allein das „zum Nachdenken anregen“ ist doch super ^_^

      Aber ja, genau dieses Unbehagen, was körperliche Themen angeht, finde ich so bedauerlich – und das ist kein Vorwurf, ne? Es ist so viel schambehaftet und wird schambehaftet vermittelt und das steht dann in einem so krassen Gegensatz zu dem, was medial vermittelt wird, dass man teilweise ja kaum eine Chance hat, ein unbefangenes Verhältnis zum eigenen Körper zu bekommen.

      Jedenfalls – falls du mal das Bedürfnis hast, zu reden: you know, who to call. Write. Whatever 😉

  3. Jaaa, großartige Frage. Generell bin ich jemand, der nahezu keine Tabuthemen kennt (auch wenn die Durchblutung meines Gesichts gerne anderes vermuten lässt ;-)). Wobei ich die von Kosh erwähnten Hemmungen habe, dem anderen zu nahe zu treten. Meine einzige Hürde ist das sehr direkte Gespräch über Vorlieben und Abneigungen mit dem Sexualpartner selbst. Aber das hat weniger mit Sex zu tun, sondern eher mit meinem generellen Problem, Wünsche zu äußern. Egal auf welchem Gebiet.

    Warum das Tabu? Ich habe keinen Plan. Vor allem weil es so einseitig ist. Überall wird man zugeballert mit nahezu entmenschlichter Sexualität, aber wenn es dann ans persönliche, ans echte Erleben geht, gehen die Vorhänge zu. Ähnlich ist es bei vielen anderen Themen. Über psychische Probleme können viele vortrefflich diskutieren, aber wehe man wird nach dem eigenen Befinden gefragt oder mit der Depression eines Freundes konfrontiert.
    Da fällt mir gerade ein Artikel aus einer Frauenzeitung ein, den ich mal Anno Tuck beim Arzt gelesen habe. Da gab es eine Liste mit Dingen, die man als Paar grundsätzlich (!) nicht zusammen in einem Raum machen darf. Nägel schneiden, Klogang (vor allem wenns nicht nur mal Pinkeln ist), Tampon wechseln, rasieren (ausgenommen Bart)… Ich saß nur mit tausend Fragezeichen im Kopf da. Warum?! Irgendwie kommt es mir vor, als ginge das in dieselbe Richtung. Wir haben heute so eine pseudo-Offenheit. Es wird so getan, als gäbe es keine Grenzen mehr, aber wenn man mal in ihre Nähe kommt, werden sie deutlich spürbar. Es ist alles offen, solange es nicht persönlich wird. Ich würde mir wünschen, dass man weniger in der Öffentlichkeit mit z.B. Sex beschallt wird, und dafür im direkten Kontakt offener darüber sprechen kann. Eben dann, wenn ich selbst darüber bestimmen kann, wie und mit wem ich darüber spreche. Mir hat ein offener Umgang mit Sex sehr geholfen, aber oft habe ich das Gefühl, dass andere es verunsichert, wenn ich über diese positiven Entwicklungen berichte. Es ist keine direkte Abneigung, sondern eher ein betretenes Schweigen.

    @Dusche
    Generell gerne, allerdings macht mein Kreislauf vorher die Grätsche. Und zugegebenermaßen wird die nötige Akrobatik im Kopfkino gerne ausgeblendet.

    Tipps bezüglich Vibratoren nehme ich gerne entgegen. Ich schleiche gerade um einen herum der 100 € kosten soll und bin noch recht zögerlich angesichts des Preises.

    1. Betretenes Schweigen, genau. Das haben hier ja auch mehrere berichtet *nick* Sehr bedauerlich.

      „Es ist alles offen, solange es nicht persönlich wird.“ Das trifft glaub vieles sehr gut, ja. Wobei in Bezug auf Sex witzigerweise noch nicht mal beim „persönlich werden“ betroffen geschwiegen wird, sondern selbst wenn allgemein drüber gesprochen wird. Empfinde ich zumindest so.

      Bezüglich Tipps haben wir ja schon gesprochen ^^

  4. Du kennst ja meine Meinung zu so quasi allen Punkten. Ich bin da aber, ähnlich wie Kosh, auch vorsichtig gegenüber Leuten die ich nicht gut kenne. Ich kenne doch einige Leute die wirklich sex-repulsed sind – und da man sowas nie vorher wissen kann geh ich immer lieber auf Nummer sicher.

    Zumal meiner Erfahrung nach gerade Männer oft schlecht damit umgehen können, wenn Frauen offen über Sex sprechen. Es wird gerne als „Interesse signalisieren“ missverstanden oder aber artet schnell in „locker room talk“ aus. Auch Kommentare wie „mit dir kann man darüber reden, du bist da nicht so wie andere Frauen“ hab ich schon zu hören bekommen und möchte ich gerne vermeiden. (Die Distanzierung zu meinem eigenen Geschlecht mag ich nicht und will sie auch auf keinen Fall unterstützen.)

    Im Großen und Ganzen finde ich es durchaus ok drüber zu reden, aber eben auch ok wenn das Thema für Leute Privatsache ist. Es gibt da meiner Meinung nach durchaus eine Zwischenstufe zwischen „absolut tabu“ und „jeder redet drüber“. Genauso wie ich mit wildfremden Menschen oder in der Öffentlichkeit eventuell nicht im Detail über meinen Gesundheitszustand sprechen will sehe ich das beim Thema Sex auch. Zumal beim Sex halt auch des öfteren mehr als eine Person beteiligt ist – und da greift dann wieder das Thema Consent. Wie fair ist es meinem Partner gegenüber, wenn ich völlig offen darüber rede wie besagte Person so im Bett ist? Möchte die Person das? Das sind alles Fragen, die dazu gehören und bedacht werden wollen.

    Und was die Vibrator-Empfehlung angeht: Seriously, das Ding ist so grandios das man eigentlich schon fast eine Pflicht hat es zu verbreiten… 😉

    1. „Es gibt da meiner Meinung nach durchaus eine Zwischenstufe zwischen „absolut tabu“ und „jeder redet drüber“.“ – absolut!!! *heftig nick*

      Es geht mir auch tatsächlich weniger darum, dass man jetztdochbittemal in jedes Gespräch das Thema Sex gespickt mit eigenen Erfahrungen einbringen soll, sondern dass generell einfach das Tabu ein wenig fällt. Da bin ich gerade beim Thema Consent und Privatsphäre eines eventuell abwesenden Sexualpartners ganz bei dir. Aber schon allein DASS es Sex gibt, ist ja für viele ein Tabuthema und schon in abstrakter Form darüber sprechen schwierig.

      Und das finde ich, gerade in Hinsicht auf Kinder, sehr problematisch. Denn wie wollen wir vermitteln, dass Sex etwas normales, schönes ist (sein kann), wenn es so negativ behaftet ist in jeder Form der Unterhaltung?

      Ich glaube übrigens auch, dass sex-repulsion zu einem Gutteil dem geschuldet ist, wie mit dem Thema Sex umgegangen wird, eben diese Extremen Schuldbehaftet bis ÜBERALL. Und hier meine ich nicht, dass man durch einen entspannteren Umgang nicht mehr sex repulsed ist (asexuality is valid!), sondern man dadurch vielleicht erreichen kann, dass zumindest in abstrakter Form auch von sex repulsed people besser über das Thema gesprochen werden kann, gerade wenn es auch unabhängig von persönlichen Erfahrungen thematisiert werden kann.

      … war das verständlich? *grübel*

      1. Komplett, und ich bin da ganz bei dir. Von einem entpannteren Umgang mit dem Thema hätten am Ende wahrscheinlich alle ein wenig was (in sehr unterschiedlicher Art und Ausprägung halt.)

        Und auch in Punkto Kinder sehe ich das genau so. Wie viel unnütze Sorge und wie viel Teenagerstress bis hinein in das Leben als junger Erwachsener hätte mir erspaart werden können, wenn das Thema offener gewesen wäre in meiner Jugend…

  5. Ich stimme Lenas Meinung zu dem Foto zu und von auch eher der verklemmte Typ (die Diskussionen und der Blogpost über Nude Photography waren super grenzüberschreitend und seelenstriptease für mich, http://gegenwind.dk/on-nude-photography/). Mit anderen drüber reden habe ich noch nie wirklich gemacht, bin aber auch nicht an den Geschichten anderer interessiert.

    Öffentlich bzw generell drüber reden oder lesen ist etwas „besser“, wobei es da auch sehr drauf ankommt. Bei deinem verlinkten Tweet hätte ich wahrscheinlich ein wenig gekichert, die Autorin als mutig abgestempelt und dann weiter gescrollt.

    Das oft vermittelte Bild von Sex stört mich sehr, da es bei mir tatsächlich falsche Erwartungen und nachfolgend Unsicherheit ausgelöst hat (uuh, jetzt fühlt es sich schon intim an!).

    Dusche: ja, da habe ich auch nie richtig verstanden, was alle daran finden. :ugly:

    1. Danke für’s Teilen – gerade wenn es sich schon jetzt für dich intim anfühlt! 🙂

      Was ich halt schade finde daran, dass man (generell jetzt, das ist ja kein spezielles Problem von dir) nicht darüber sprechen kann, ist, dass einem sicherlich auch viel entgeht: Empfehlungen, Ideen, Neues. Und auch viel Unwissenheit und Vorurteile bestehen bleiben, die man medial vermittelt bekommt. Wie in allen Bereichen halt, in denen es keinen Austausch gibt.

  6. Ja, Mensch, dann hau sie raus, deine Empfehlung!

    Ich bin schon seit eh und je offen was das Thema Sex angeht. Mit meinen Freunden spreche ich durchaus darüber, wie oft wir Sex haben und welche Stellung dabei bevorzugt wird oder ähnliches. Gerade wenn man ins detail geht, was zum Beispiel Sauberkeit beim Sex angeht, kostet es vielleicht etwas Überwindung darüber zu reden, aber es ist doch auch gut zu wissen, dass gewisse Dinge völlig normal sind.

    Lustigerweise dachte ich früher immer, Männer reden viel mehr über Sex. Aber das ist ein Gerücht – zumindest führen sie keine echten Gespräche über Sex, sondern nur so Machogehabe, von dem einfach nichts stimmt. Wobei ich auch einen Mann in meinem Freundeskreis habe, mit dem ich ähnliche Gespräche führen kann wie mit meinen Mädels. Manchmal denke ich, mein Mann sollte mal mit seinem besten Freund offen über Sex reden (schließlich ist dessen Frau meine beste Freundin, ich weiß also, welche Punkte in einem offenen Gespräch vorkommen würden), aber da geht es dann nur wieder darum, wer von beiden der geilste Macker ist…

    Schöne Grüße!

    1. Danke für deinen Kommentar! 😀

      Ich glaube, gerade dieses „Machogehabe“ und „Lockertalk“, von dem Kunstpause oben in ihrem Kommentar auch sprach, ist halt auch ein Ergebnis dessen, wie gesellschaftlich mit dem Thema umgegangen wird. Denn wenn man nicht ehrlich sein kann/darf und Männer immer können und wollen müssen, ist natürlich jeder andere Austausch auch tabu. Da geht es dann natürlich auch schnell in den Bereich Sexismus…

      Und ja, genau für das Wissen, dass manche Dinge normal sind, ist ein ehrlicher Austausch eben so wichtig!

      Empfehlung. Okay – eigenen Rat befolgen und so 😉 http://amzn.to/2okVfpS
      Viel Spaß 😉

  7. Hallo.
    Ach, wie wichtig und wunderbar wäre es, über Sex genau so unbefangen reden zu können wie über das Kochen am Wochenende.
    Ich versuche das in weiten Teilen, auch kein spontaner Themenwechsel, wenn ein Kind in den Raum kommt. Denn als Eltern sehe ich mich in der Verantwortung, hier ein Vorbild zu sein. Wie sollen meine Kinder denn eine entspannte Sexualität entwickeln, wenn die Eltern alles codieren oder verschweigen?

    Natürlich sind Sex-Themen nichts für das Familienabendessen, da sind ganz andere Dinge wichtig.
    Aber wenn meine Tochter mich fragt, was das ist, wenn aus meinem Zimmer seltsame Geräusche kommen, und sie besorgt ist, na dann sage ich ihr durchaus, dass ich mit meinem Partner Sex hatte, und dass das auch Geräusche macht, wenn man sich wohl fühlt, so wie sie jauchzt, wenn sie auf einer Schaukel sitzt. Das können Kinder schon verstehen und können eine ganz vernünftige Relation ziehen.

    Ich wünschte mir viel mehr Austausch zwischen Müttern* über Sex, als Eltern, nach der Geburt, zu Toys etc. – Das würde für so viel Spaß und Entspannung sorgen!

    1. Hallo Anne, danke für deinen Kommentar! 😀

      Ich finde dein Vorgehen genau das Richtige. Klar muss man es ja nicht forciert im Beisein von Kindern ansprechen, aber eben ein entspannter Umgang – gerade bei Fragen – ist so unendlich wichtig. Kein „Darüber redet man nicht“ oder „dafür bist du noch zu klein“, sondern ein offenes Antworten. Das fängt ja bei Fragen nach „wie kommt das Baby in den Bauch“ etc. an. Natürlich ‚formt‘ man seine Antworten ja kind- und altersgerecht, aber es ist schon so unendlich viel gewonnen, wenn man nicht peinlich berührt hustet, die Frage wegwischt und schnell das Thema wechselt.

  8. Für mich ist es sehr großer Unterschied, ob ich über Sex an sich, Fakten und „man*“ oder über meine eigenen Meinungen, Einstellungen, Wünsche und vielleicht noch persönliche Highlights bezüglich Sex oder über meine aktuellen, realen Sex im Alltag spreche. Letzteres kann ich echt nur im engsten Kreis oder anonym und nur mit hochrotem Kopf. Warum? Weil das sehr schambehaftet ist für mich, vermischt mit der persönlichen Beziehung zu Beteiligten. Und weil es in meiner Filterblase vielleicht wenig Auswirkungen hätte, es im weiteren Kreis aber schon problematisch wäre: Will ich als Angestellte, dass meine Vorgesetzten und Kolleginnen oder als Mutter, dass mich die Lehrerinnen meiner Kinder und die freundlichen Sozialpädagoginnen des Jugendamtes und in 20 Jahren meine Kinder selbst oder als SGB-II-Bezieherin die Fallmanagerinnen oder die übergriffige Stalkerin ein detailliertes Bild von meiner Sexualität machen können? Vielleicht wäre der Bereich nicht mehr so verletzlich, wenn er weniger schambesetzt wäre. Aber da Vorreiterin zu sein, kann ziemlich wehtun.

    1. Hallo Samira,

      danke für deinen Kommentar! Du sprichst da etwas ganz wichtiges an – weiter oben kam es in den Kommentaren auch schon zur Sprache: Consent und Privatsphäre der Sexualpartner schützen. Das ist etwas, das man definitiv nicht vergessen darf.

      Ich glaube auch nicht, dass es für einen entspannteren Umgang mit dem Thema Sex nötig ist und sein muss, hochprivate, eigene Erfahrungen zu besprechen. Wie ich in einem anderen Kommentar auch erwähnte, ist ja schon viel gewonnen, wenn man eben nicht peinlich berührt wegschaut, sondern im allgemeinen darüber sprechen kann, ohne es eben als Tabuthema zu behandeln. Wobei ich auch noch nicht einmal darauf hinauswill, dass man sowas wirklich öffentlich ausbreitet/ausbreiten sollte – aber viele können ein entspanntes Gespräch ja tatsächlich noch nicht einmal im Privaten führen. Das ist einfach sehr schade – und, in Bezug auf Kinder, kann es sogar schädlich sein.

  9. Neulich ging ich mit ein paar anderen Muttis samt KiWa spazieren, die meisten kannte ich vorher nicht. Das Gespräch kam auf die Geburt und welche Kette positiver Entwicklungen sie in unserem Leben in Gang gesetzt hat. Ich sprach direkt aus, was mir als erstes durch den Kopf schoss, nämlich dass ich seit der Entbindung viel häufiger und schneller zum Orgasmus komme. Die Antwort: Bedröppelte Gesichter, betretenes Schweigen gefolgt von Räuspern und einem lahmen “Aha”. Ich habe mich sofort geschämt, dass ich mich wieder nicht zusammenreißen konnte. Mir passiert das oft, dass ich anderen etwas erzähle und erst an der Reaktion merke wie privat das offenbar war. Meine Familie hat immer über Sex gesprochen, Eltern, Onkel, Tanten, Geschwister. Ich erinnere mich nicht einmal daran, aufgeklärt worden zu sein. Das Wissen um Sex war einfach da.

    1. Also eigentlich so, wie es sein sollte: ein entspannter Umgang mit dem Thema. Witzigerweise ist doch gerade das Thema „Sex nach der Geburt“ etwas, das unglaublich viele (werdende) Eltern beschäftigt. Krass, dass dem dann trotzdem noch so mit Bedröppelung und betretenem Schweigen begegnet wird, wenn es dann mal zur Sprache kommt.

      Das mit dem Orgasmus habe ich übrigens auch von mehreren Seiten gehört *nick* Du bist da also kein Einzelfall. Glückwunsch ^^

  10. Oh da kann ich mich nur anschließen und bei mir, meinem Partner und auch bei meiner Mutter wird auf völlige Unverständnis getroffen, wenn man da zu sehr idealisiert oder nicht offen drüber reden kann. Zumindest miteinander.
    Bei uns wurden und werden die meisten Themen bis alle Themen nicht tabuisiert.
    Und ich glotze dann immer recht blöd, wenn mir jemand (von denen ich dachte es sind gute Freundinnen) sagte, dass sie das gar nicht wissen will. Fand ich seltsam.
    Von meiner Mama zum Beispiel (ich bin ein Scheidungskind, seitdem ich 8 Jahre alt bin) weiß ich zum Beispiel, dass warum sie sich von Papa genau hat Scheiden lassen, dass für sie auch ein Auslöser war, dass sie es emotional vertreten konnte, im Urlaub dann mit einem Hotelangestellten zu schlafen und sie so wusste, dass sie meinen Papa wirklich nicht mehr liebte. Bis hin zu ersten Erfahrungen, Veränderungen des Sexlebens je länger eine Beziehung dauert, was sie so mit ihrem Mann treibt.
    Und das lustigste was ich zu erzählen habe ist wohl, dass wir letztens wegen meiner Schwangerschaft zu dritt beim Gynäkologen im Sprechzimmer saßen, mein Partner, meine Mama und ich, die Tür bloss angelehnt war (man hätte uns auf dem Flur getrost hören können) und das Gespräch von Babys und Ultraschall, über Erfahrungen früher, Sex während der Schwangerschaft, seltsame Probleme bei Sex mit dickem Bauch irgendwann bei Penisringen hängen blieb und dass die lila Farbe des besten Stücks dann doch etwas… unerotisch aussieht, hängen geblieben sind…. Bis dann endlich die Gynäkologin Zeit für uns hatte 😀
    Bei meinem Partner und mir ist es ähnlich. Wir sind ehrlich, nehmen das Meiste so wie es kommt, mögen keine unnötigen Probleme und sehen alles was geht mit Humor. Bei uns wird ganz oft herumgeblödelt oder einfach das gesagt, was uns gerade in den Kopf kommt.
    Beim Sex wird auch mal gerne dies und jenes ausprobiert, ich weiß, dass er ab und zu mal Pornos guckt und er weiß, dass ich das auch mache, wenn er Nachtschicht hat und meinen Vibrator genau dafür hab ich von ihm…. Als dieser dann mal kaputt war, hab ich ihm das ganz traurig gestanden und was macht er? Anstatt das ich mir selbst einen im Internet bestellen darf, werde ich (Tomaten gleich im Gesicht) in einen Sexshop geführt, wo er den ersten (und seine Kondome) her hat und ich durfte mir (immernoch tomatig) einen Neuen aussuchen.
    Beim Sex ist bei uns Lachen auch kein Tabu. Teilweise sogar ein wichtiger Bestandteil. Meistens fängt das bei uns entweder an, weil er morgens mich mit seiner Morgenlatte absichtlich in den Hintern piekst, um herauszufinden, ob ich eventuell Lust habe, oder eben nicht. Meistens fange auch ich, wenn ich Lust habe an, ihn zu ärgern. Er muss ja dann meine Hände festhalten, wenn er nicht mehr gekitzelt werden will. Viel lachen und ein bisschen Gerangel später endet es damit, dass er meine Hände gar nicht mehr festhalten muss, sondern dass ich mich am Kissen (oder seinen Schultern) festkrallen muss…
    Dasselbe haben wir auch bei diesen “intimen und privaten Dingen” wie es dieser Artikel beschreibt, die man nie in einer Beziehung tun sollte.
    Schon von früher kenne ich es, dass man im Badezimmer alles nackt voreinander machen kann. Ist halt einfach, wenn das Badezimmer groß genug ist und sich morgens alle gleichzeitig fertig machen oder abends alle duschen wollen. Der Papa steht unter der Dusche, ich sitze als Kind in der Wanne und Mama putzt sich schonmal die Zähne. Oder ich stehe Zähneputzend am Waschbecken, während mein Vater unter der Dusche steht oder auf dem Klo hockt. Der Zahnputzbecher gefüllt mit eiskaltem Wasser geht ganz schnell mal über den Rand der Dusche. Genauso wie ich später dann eins mit dem Handtuch spielerisch auf den Hintern bekommen habe 😀
    Das setzt sich in meiner Beziehung so fort, dann aber noch intimer als bei meinen Eltern. Wir sind dazu übergegangen, zusammen zu duschen. Wir waschen uns recht oft gegenseitig und während ich mir dann meine Haare wasche, ist er mit seinem Rasierer zugange.
    Früher hab ich mich noch rasiert, aber da ich ja voll der Öko bin (haha) hab ich damit irgendwie aufgehört. War mir einfach zu nervig. Er rasiert sich auch nur seinen Bart und mal unter den Armen.
    Der Knüller war ja noch, als ich mich einmal zum entspannen in die Badewanne gelegt habe und er dann auf dem Klo saß. Nach einem Schnuppern von mir die entsetzte und von lachen begleitete Frage: “Du bist doch jetzt nicht ernsthaft am kacken, oder?!” Ein blödes Grinsen, ich hatte meine Antwort. “Ey wie kannst du nur?! Ich wollte mich doch hier ein bisschen entspannen! (kurzer Lachanfall) Ich bin doch noch mindestens eine Stunde in diesem Raum und du kannst gleich wieder flüchten!” Auf seinen Lachanfall folgte ein Schwall Wasser aus der Badewanne, er hat dann die Tür zum lüften aufgeladen und sich auf den Klo Deckel gesetzt und sich mit mir unterhalten.
    Ich schüttele oft den Kopf, bei wie vielen Sachen andere Menschen verklemmt sind oder grundlos beleidigt sind und nicht offen sagen können, was sie stört. Oder das alles nicht mit guter Laune machen, sondern gleich mega angefressen sind..
    Liebe Grüße von der etwas bekloptten Leoni 🙂

    1. Hallo Leoni,

      danke für deine Erzählungen! ^_^ Ich glaube, mit solcher Freizügigkeit bist du / seid ihr tatsächlich eher eine Ausnahme, aber voll schön, dass das dann auch so gut zueinander passt. Es ist ja doch auch häufig so, dass da sehr unterschiedliche Schamgrenzen aufeinandertreffen.

      Und ja, das Thema „nicht sagen können, was einen stört“ ist ein wichtiger Aspekt des gesamten Dings. Gerade, wenn man in diesem Spektrum „ist Tabu“ bis „sei immer sexuell verfügbar“ hängt, das sich in unserer Gesellschaft ausbreitet – und dann geht es schnell in sehr schwierige Themen über. Darf man „Nein“ sagen, muss man verfügbar sein, immer wollen, verführerisch sein, darf ich das (nicht) mögen… gerade bei Teenagern, die ihre Sexualität gerade erst entdecken, echt kritische Fragen. Und sie dann nicht besprechen können? Das kann ja nur schief gehen.

      Viele Grüße! 😀

  11. Ich verstehe das auch nicht. Ich rede mit jedem über Sex bin da absolut nicht schüchtern.
    Daß drumrum sollte halt stimmen. In der Arbeit zum Beispiel hat das nix zu suchen.
    Schlimm genug das man mit absolut ansieht schon mal Sex gehabt zu haben (ich bin schwanger ) das lässt das Verhalten der Kollegen/Kolleginnen ziemlich wechseln.
    Jedenfalls rede ich drüber. Und ich finde auch interessant zu wissen wie es andere tun. Bin da absolut neugierig. Ich probiere alles mögliche gern aus und finde das Leben schön so 🙂
    Dusche? Ja auch das kann Spaß machen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.