Die Sache mit dem dritten Kind

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Letztens verbrachte ich einen ganzen Tag mit meiner Schwester und meinem neugeborenen Neffen und es war sooo schön th_herzchen2 Er ist so klein, so süß, so vollkommen! Diese winzigen Hände und Lippen und dieses Gefühl, ein Baby auf der Brust liegen zu haben und dieser einzigartige Geruch, den nur Babies haben…

Irgendwie ist gefühlt in meiner Social Media Bubble (ich hätte es grad fast mit SM abgekürzt. Thehe.) seit letztem Jahr wieder Babyboom. Überall sieht man Babybäuche und inzwischen regelmäßige Kinderfotos. Und ich verschlinge es, immer noch. Mit leuchtenden Augen und immer mit einem Lächeln.

Natürlich war die Schwangerschaft meiner Schwester noch viel, viel näher und ich habe viel mit ihr gesprochen und mich ausgetauscht und stand mit Rat zur Seite. Und immer mal wieder erwische ich mich bei dem Gedanken, wie schön es doch wäre, auch noch eine Schwangerschaftserfahrung zu machen – dieses Mal ohne das „Risiko“ Zwillinge, mit einer Geburtshausgeburt. (Wir haben das Glück, dass das Geburtshaus in Marburg weiterhin existiert und Schwangere aufnimmt.) Wie schön es wäre, noch ein Kind in diese Welt zu bringen, meinen beiden Jungs noch ein kleines Geschwisterchen zu schenken. Die beiden sind unfassbar liebevoll mit kleineren Kindern, zärtlich und aufmerksam und zeigen ihnen alles. Das haben wir besonders am Ende der Kita-Zeit gesehen, als sie die Ältesten waren und die Kleinsten an der Hand herumführten und mit ihnen sprachen und spielten. Dabei ging einem das Herz auf, wirklich. Ich bin mir sicher, dass sie ein Geschwisterchen ebenso begeistert aufnehmen würden.

Aber dann toben meine beiden kleinen Orks durch die zu kleine Wohnung und füllen alles mit Lärm und Energie und Lachen und Geschrei und Anwesenheit und ich weiß, dass ich dem Ganzen ohnehin nicht die Aufmerksamkeit und Energie schenken könnte, die ich geben wollen würde. Weder der Schwangerschaft noch dem Kind. Und auch wenn wir finanziell nicht problematisch dastehen, haben wir auch nicht viel übrig, sodass das Geld natürlich auch eine Überlegung dabei ist, wieviel wir unseren Kindern bieten wollen, was wir uns gönnen wollen und was wir tatsächlich können. Und nein, ich spreche ich hier nicht von „zwei Urlauben im Jahr im Hotel in Vollverpflegung“, sondern von Dingen wie „den Kindern ohne schlechtes Gewissen neue Kleidung kaufen zu können, wenn die alten zu klein sind“ und mal den ein oder anderen Luxus wie ein neues Computerspiel. Klar ginge da noch was – es geht fast immer noch was – doch ich frage mich, ob es unbedingt muss.

Aber viel relevanter als das Geld ist tatsächlich das „energetische“, for lack of a better word. Unsere Jungs sind einfach sehr energiegeladen und laut und aufgedreht – lauter und aufgedrehter als andere Kinder in dem Alter (tatsächlich. Wird mir auch von anderen bestätigt.). Für jeden Moment, den sie sich entspannt miteinander beschäftigen, gibt es einen, indem sie lautstark Aufmerksamkeit für sich fordern. Das sage ich gar nicht, um zu jammern, sondern einfach als Fakt. Sie sind nunmal kleine Feuergeister 😉 Und sie haben in ihrem Zwilling nunmal auch immer jemanden, der sie direkt aufnimmt und spiegelt und zurückgibt, sodass sie sich durchaus auch gegenseitig hochputschen. Ich liebe meine Orkjungs über alles und würde sie für nichts auf der Welt eintauschen, aber sie zeigen mir eben auch meine Grenzen auf, die doch häufiger erreicht werden als ich es gern hätte. Muss ich diese wirklich „für die Schwangerschaftserfahrung“ noch mehr austesten?

Und was, wenn es nochmal Mehrlinge würden? Noch eine Risikoschwangerschaft selbst ohne Beschwerden? Noch eine KH-Geburt mit zu vielen Leuten im Raum? Noch eine Doppelbelastung beim Stillen, beim Anschaffen von Dingen, bei allem?

Wenn ich trotz Verhütung nochmal schwanger würde, würde ich das Kind (oder die Kinder) bekommen, klar. Doch noch eine geplante Schwangerschaft? Vermutlich nicht. Oft beneide ich die Familien mit drei, vier oder gar mehr Kindern für ihren Mut, für ihre Energie, ihre Sicherheit. Manchmal wünschte ich, ich und wir hätten das auch. Doch der Gedanke wird seltener. Mal schauen, wann ich ihn ganz loslassen kann.

2 Gedanken zu “Die Sache mit dem dritten Kind

  1. Das hört sich irgendwie sehr traurig an. Ich finde es gut und richtig, dass du dir viele Gedanken darum machst, aber gleichzeitig finde ich es so schade, dass so viel gegen deinen Wunsch spricht. Irgendwie kommt mir da eine Unterhaltung von Tim und mir ins Gedächtnis. Es ging grob um das Thema „Sinn und Unsinn des heutigen Bildes von Partnerschaft und Familie“. Bei uns ging es da hauptsächlich um die Zweierbeziehung und Sexualität, aber genauso kann man es auch auf die ganze Familie übertragen. Immer wieder finde ich bei mir oder anderen Probleme, Unsicherheiten oder unerfüllte Wünsche, die in größeren Gemeinschaften nicht auftreten würden (dafür gäbe es andere Probleme, aber jenun). Es wirkte auf mich schon immer irgendwie falsch, dass jede Familie so alleine mit ihren Sorgen und Problemen aber auch Bedürfnissen da steht. Größere Gruppen, können viel mehr ausgleichen, viel mehr auffangen, als es die kleine Familie kann. Die Überzeugung ist sicher auch von meiner Familie geprägt, die deutlich entspannter gelebt hätte, wenn wir nicht so allein im eigenen Saft gekocht hätten. Das will ich nicht ausschließen. Aber ich bin definitiv ein Kandidat für die Farm of Love (mit abschließbarem Zimmer versteht sich 😉 alles hat seine Grenzen, und so auch mein Bedürfnis nach sozialen Kontakten).

  2. Ich kann dich so gut verstehen.
    Der Kinderwunsch war jedes Mal bei mir so mächtig, dass ich dachte, ich kann fast nicht damit umgehen, wenn ich nicht SOFORT schwanger werde.
    So auch nach dem dritten Kinder (dem zwei Fehlgeburten vorangegangen waren).
    Ich stand da, spürte den Kinderwunsch aufkeimen und dachten nur: Bianca, hast du noch alle Tassen im Schrank!???
    Aus genau den selben Gründen, die du hier aufführst, und die alle ihre Berechtigung haben. Ergänzt um den Grund: Ich habe drei gesunde Kindern und bin einigermaßen heil aus der Nummer rausgekommen. Ich habe auch die Verantwortung für die bereits vorhandenen Kinder. Und für mich.

    Es hat ein Jahr gedauert, bis diese Sehnsucht nach so einem winzigen Neugeborenen in meinen Armen langsam verflogen ist.
    Jetzt, meine Jüngste ist 3 1/2, habe ich meinen Frieden damit geschlossen.
    Obwohl ich mir manchmal vorstelle (jenseit aller finanziellen, körperlichen und seelischen Belastungen), wie schön es wäre, noch ein paar mehr Kinder in´s Leben zu begleiten. Einfach, weil jedes so einzigartig ist 🙂

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