„Was, wenn…?“ – eine Liebeserklärung

Erst heute morgen – oder war es gestern Abend? – stolperte ich über Twitter über diesen Blogeintrag: „Meine letzten Worte“ von Séverine von Mama on the Rocks. Ich war sehr berührt davon und fand den Gedanken sehr schön, für das ‚was, wenn‘ diese liebevollen Sätze für die Kinder hier an diesem virtuellen Ort festzuhalten, der nunmal fester Bestandteil des eigenen Lebens ist.

Nicht nur, dass wohl jeder Lady Dianas Geschichte sowie die Erzählungen von Personen, die von jetzt auf gleich tot umfallen kennt, ich habe es selbst bereits zweimal im Freundeskreis erlebt, dass spontan und vollkommen unerwartet Menschen verstorben sind. Einmal durch eine seltene, aggressive Form von Leukämie innerhalb von einer Woche, einmal durch Selbstmord. Der Gedanke an „was wenn“ ist mir also nicht neu.

Als mir Heldenmini heute abend beim Ins-Bett-bringen sagte: „Mami, ich wünsche mir, dass du schön träumst und dabei nicht stirbst“, wurde mir gleich ein wenig seltsam zumute. Ich erzählte den Freunden, die gerade zu Besuch waren, von seinen etwas makabren Worten, und sie berichteten von einer befreundeten Familie, bei denen erst vor kurzem genau das passierte: im Urlaub verstarb vollkommen unerwartet in der Nacht im Schlaf die Frau, Mutter von drei Kindern, alle unter fünf. Und ich dachte: „Was, wenn…“

Nun glaube ich weder daran, dass man so etwas herbeirufen kann, noch dass eine überaus große Gefahr besteht, dass es mir geschieht, spontan einem Herzanfall in der Nacht zu erliegen, doch Unfälle können jederzeit passieren. Zwar sage ich meinen Liebsten tatsächlich tagtäglich, dass ich sie liebe, doch wie schnell gehen solche Momente im Tag unter, in der Erinnerung verloren, besonders wenn sie so jung ist. Deshalb hier, für die „Ewigkeit“ der Server des Internets festgehalten, meine Worte für euch, meine Jungs.

Meine liebsten beiden, wundervollsten Minihelden,

 

wie oft war ich müde und gestresst und sicherlich auch manchmal unfair und zu beschäftigt. Doch zu keinem Moment habe ich euch nicht mit jeder Faser meines Seins geliebt. Selbst wenn ich laut war oder schimpfte oder anderweitig dumm, ich könnte mir kein Leben mehr vorstellen, in dem es euch nicht gibt. Euer Lachen, eure Geschichten, eure Empathie und Energie lassen mir jeden Tag das Herz aufgehen. Es gibt immer noch Momente, da kommen mir die Tränen, weil ich nicht fassen kann, wie sehr ich euch liebe.

 

Ich bewundere euch für eure Kreativität und für euer Selbstbewusstsein, für eure Fähigkeit, jedem mit einem offenen Herzen entgegenzutreten und für eure unendliche Liebenswürdigkeit. Ich liebe die Momente, in denen ihr euch an mich drückt, um zu kuscheln, oder wenn ihr mir begeistert Geschichten erzählt – wahre und erfundene. Ihr glaubt nicht, wie oft euer Papa und ich uns anschauen und begeistert in uns hineinkichern oder einfach anstrahlen, wenn wir euch im Nebenzimmer hören, wie ihr miteinander spielt und lacht und eure Abenteuer entwickelt, selbst wenn ihr streitet um euch dann wieder zu versöhnen. Wie gern wir uns von euch mitreißen lassen – zum Höhlenbau oder Picknick im Wohnzimmer, zum zweiten oder dritten Eis, zum Rausgehen und zum Grimassenziehen und Quatschmachen, zu Abenteuern, zum Rennen und Singen, zum Pfützenhüpfen oder Staunen. Ich staune ob eurer wahnsinnigen Talente – sei es, wenn ihr in einer anderen, erfundenen Sprache sprecht, malt oder mit mir singt, klettert und tobt. Ich liebe eure Versunkenheit, wenn ihr Bücher anseht oder beim Duplo- oder Legobauen vor euch hin singt, ich liebe eure Vehemenz und kann nicht anders, als selbst eure Dreistigkeiten zu bewundern. Ich liebe es, wie ihr mich herausfordert, ein besserer Mensch zu sein, ein besserer Mensch für euch zu sein, und dass ich durch euch jeden Tag etwas Neues lerne. Ihr seid eure eigenen Menschen, eure ganz eigenen Charaktere und manchmal bin ich fassungslos ob der Tatsache, dass ihr meine Söhne seid. Ihr seid mein Wunder.

 

Es gibt Dinge in meinem Leben, die ich bereue und bei denen ich mich frage, wie mein Leben wohl wäre, hätte ich mich zu einem Zeitpunkt X anders entschieden. Doch niemals, nicht eine Sekunde, bereute ich, eure Mama geworden zu sein. Nicht in den schlimmsten Erschöpfungs- oder Wutmomenten, nicht in den genervtesten Stunden und nicht beim dritten Mal in der Nacht vollgepinkelte Bettwäsche wechseln. Ihr seid die Entscheidung, die ich in jeder möglichen Version meines Lebens treffen würde. Ich bin bereit, jeden Kampf für euch zu kämpfen, eine Löwenmama für meine Löwenjungs zu sein und wann immer ich vor der Entscheidung stand, eure oder die Bedürfnisse eines anderen voranzustellen, habt ihr gewonnen. Ich liebe euch von Herzen, immer und in jeder Sekunde, unabhängig und unveränderlich von jeder Laune. Natürlich machen wir Fehler und so wie ihr wachst und lernt, wachsen und lernen auch euer Papa und ich mit und an euch. Doch alles, was wir tun, basiert auf der Absicht, euch eine Grundfeste zu sein, auf die ihr immer bauen könnt, egal was euch das Leben noch bringt. Ich hoffe, dass dies ist, was euch von mir und uns für immer bleibt – die Sicherheit und  Ewigkeit meiner und unserer Liebe zu euch und damit ein grundlegendes Vertrauen in euch selbst und die Welt im allgemeinen, sodass ihr die Personen werden könnt, die ihr sein wollt.

 

Ich werde nicht müde, euch zu sagen, wie sehr ich euch liebe. Immer. Jederzeit. Ich liebe euch. Ich liebe euch. Ich liebe euch.

 

Eure Mami

2 Replies to “„Was, wenn…?“ – eine Liebeserklärung”

  1. Das ist so wunderschön. Danke. Und ich muss weinen. Und ich frage mich: Warum kann ich das nicht für meine Kinder empfinden? Und ist es für sie besser, wenn ich einschlafe und nicht mehr aufwache? Weil ich sie einfach nicht so lieben kann, wie sie es verdienen und wie ich sollte.

    1. Oh Anastasia, ich weiß gar nicht, was ich darauf sagen soll. Aber ich bin mir sicher, dass es nicht besser wäre, wenn du auf einmal nicht mehr da wärst. Und: jeder empfindet anders. Nur weil meine Worte nicht die deinen sind, heißt das doch nicht, dass deine schlechter wären oder deine Liebe weniger wert ist!
      Jede(r) tut das, was es ihr (ihm) möglich ist – und ich bin mir sicher, dass deine Kinder dich absolut lieben, auch wenn du denkst, du seist nicht genug. Es gibt nicht „die eine“ Liebe, die sich für alle gleich anfühlt, es gibt nicht eine „richtige“ Liebe. Solange du deinen Kindern nicht schadest – wovon ich ausgehe – gibt es keinen Standard, dem du nacheifern musst. Du bist die beste Mutter, die du deinen Kindern sein kannst. Das ist genug.

      Doch wenn sich deine Gedanken zu sehr in Richtung „es wäre besser, wenn ich nicht da wäre“ bewegen, möchte ich dich dringend bitten, dir Hilfe zu suchen. Und wenn es nur ist, dass du mit Freunden oder Familie darüber sprichst. Ansonsten gibt es auch anonyme Hilfe hier, per Chat, Mail, Telefon: http://www.telefonseelsorge.de/

      Pass auf dich auf.

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