In eigener Sache #btw2017

Die neuesten Umfragewerte sehen die AfD, die neue Nazipartei Deutschlands, bei 12%. Und ich bin fassungslos. Ich will es nicht hören, ich will die Augen verschließen, ich will wegsehen. Ich WILL nicht glauben, dass 7,3 Millionen Menschen in Deutschland den Naziparolen Beifall schenken, dem Rückschritt, dem Rassismus, der Angst. Ich will das Wissen darüber einfach wegschieben, will die Hände auf die Ohren drücken und „Lalalala“ machen, bis die Wahl vorbei ist und das Schreckgespenst hoffentlich ausblieb.

Doch ich kann nicht. Ich darf nicht. Niemand von uns darf.

Ich bin dankbar und froh, in meinem Freundeskreis Transmenschen zu wissen, Lesben und Schwule, Bisexuelle, Pansexuelle und Asexuelle. Ich bin selbst Teil der LGBTQAI-Gemeinschaft. Ich kenne Juden, Hexen, Druiden, Christen, Atheisten, Muslime und Agnostiker und spirituelle Wanderer. Ich habe behinderte Menschen in meinem Freundeskreis und Menschen aus anderen Kulturkreisen und Ländern.

Und ich weiß, dass viele dieser Menschen durch eine Partei wie die AfD im Bundestag aktiv bedroht werden. „Ach Quatsch, Julie, du glaubst doch nicht ernsthaft, dass…“ DOCH. Nein, vielleicht nicht per Gesetz, nicht sofort. 1933 begann auch nicht sofort die systematische Ermordung von Millionen Menschen. Aber die Grundsteine wurden gelegt.

„Jetzt übertreib mal nicht, wir haben nicht 1933.“

Stimmt. Wir haben 2017. Umso schlimmer ist es, dass ich morgens beim Einkäufeausräumen wegen Angst Tränen unterdrücke. Ich habe wirklich Angst. Angst um die Demokratie, um die Freiheit, um die geistige und körperliche Unversehrtheit von mir und denen, die ich liebe, Angst um die Menschlichkeit. Wir haben gesehen, was nach der Wahl in den USA passiert ist und wir haben gesehen, was gerade beim allgemeinen Rechtsruck in Europa passiert: in der Türkei, in Great Britain, in Frankreich, in Polen, Ungarn, Österreich, soll ich wirklich weiterreden?!

Was passiert, wenn diese Partei an die Macht kommt, ist, dass sich Menschen bestätigt fühlen in ihrem Rassismus und ihrer Ablehnung jeder Form von „Anderssein“. Was passiert, sind öffentliche Hitlergrüße, Übergriffe, Angriffe und Diskriminierungen. Was passiert, sind Schließungen von Grenzen und Aufrüsten. Was passiert sind staatliche Morde. Was passiert, ist ein Absterben der Menschlichkeit und Empathie.

Ich bin 34 und eines der Dinge, die ich tatsächlich IMMER geschätzt habe, war, dass wir seit nunmehr 70 Jahren kriegsfrei sind in Europa. Und zum ersten Mal in meinem Leben setze ich mich mit der realen Gefahr eines potentiellen Nuklearkriegs auseinander und ich sehe mit immer größer werdendem Schrecken die wachsenden Diktaturen in direkten Nachbarländern. Ich kann darauf WIRKLICH verzichten. Ich habe zwei Kinder und ich wünsche mir, uns und ihnen nichts sehnlicher, als dass ihr Leben so friedlich und voller Möglichkeiten sein wird, wie meines bislang war.

Vermutlich renne ich bei euch allen offene Türen ein, wenn ich sage:

Bitte geht wählen!!

Wählt. Es ist mir fast egal, was ihr wählt, solange ihr nicht AfD wählt. Noch lieber wäre es mir, wenn eine linksdemokratische Partei auf eurem Wahlzettel ein Kreuz bekommt und nicht die CDU oder FDP, aber selbst die sind mir lieber als die AfD.

Wählt!!

Dieses Jahr ist NICHT das Jahr der Protestwahlen, es ist NICHT das Jahr des Nichtwählens und der Unentschiedenheit.

Wenn ihr meint, euch das leisten könnt, heißt es, dass ihr selbst so privilegiert seid, dass ihr nicht seht, wer alles bedroht ist. Es heißt, dass ihr euch noch nicht bewusst gemacht habt, wer durch einen Wahlsieg der AfD in Gefahr gerät – oder dass es euch egal ist, wenn Menschen sterben.

Wählt und nehmt alle mit, die ihr kennt. Veranstaltet Wahlparties, die ihr vielleicht sogar für eure Nachbarn öffnet. Schreibt Mails, Posts, Tweets, Blogeinträge, Briefe, nutzt alle Kanäle, die euch zur Verfügung stehen. WÄHLT.

Ihr seid nicht da am 24. September? BRIEFWAHL.

Der Wahlschein kann bis spätestens Freitag, den 22. September um 18 Uhr beantragt werden. In Ausnahmefällen (zum Beispiel bei akuter Krankheit) kann der Wahlschein noch bis 15 Uhr am Wahltag (24. September) beantragt werden.

Mehr Informationen gibt es beim Bundeswahlleiter

Ihr seid körperlich beeinträchtigt?

Hier gibt es Informationen, wie ihr trotzdem wählen könnt!

Egal wie – wählt. Für eine Zukunft, in der wir alle sicher, friedlich und zusammen leben können.

One Reply to “In eigener Sache #btw2017”

  1. […] Nicht so bombastisch. Zumal dann auch die Wahl kam… und ich, je näher sie rückte, immer unruhiger und banger wurde. Das absolute Horrorszenario blieb zwar aus, aber mit 12% ist die neue Nazipartei immer noch […]

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