Hexenwerk. Oder: wo fang ich an?

Schon länger schulde ich Ephi einen Blogeintrag zum Thema Leseempfehlungen, Wicca und Paganismus und als heute morgen über Twitter noch eine Anfrage kam, hab ich mich mal zusammengerissen und endlich mal hingesetzt, um die Bücher aufzuschreiben, die mir bei meinem persönlichen Einstieg geholfen haben. (Wer Lust hat, in meinen Beiträgen von anno dazumal darin zu stöbern, kann sich hier und hier umschauen.) Hinweis: ich habe diese Bücher alle auf Englisch gelesen, es gibt aber Übersetzungen. Gerade die Wicca-Bewegung ist in den USA doch eher verbreitet, weshalb es viele Bücher eben nur auf Englisch gibt. Und damit ist auch schon der zweite Hinweis gegeben: meine Spiritualität ist sehr, sehr nah an Wicca. Für Asatru oder andere Bewegungen kann ich wirklich nicht sprechen. Wer sich konkret für Asatru, also die Verehrung der nordisch-germanischen Götterwelt interessiert, dem lege ich den Eldaring ans Herz.

Wenn ich mal Marion Zimmer Bradleys „Nebel von Avalon“ ignoriere, das ich als Teenie verschlang, war das erste Buch, das mich deutlich in Richtung Wicca / Paganismus schubste, „Wicca – A Guide for the Solitary Practitioner“ von Scott Cunningham. Insbesondere weil ich damals allein in meinem Weg und Bestreben war, war mir wichtig, dass es etwas ist, das sich nicht auf Coven und Circles konzentriert, sondern auch Hinweise für Einzelpersonen gibt. Ich war total hin und weg und würde es für einen Einstieg auch weiterhin empfehlen, allerdings arbeite ich inzwischen nicht mehr großartig damit. Auch die anderen Bücher von ihm fand ich schön, mit netten Hinweisen und Anregungen – sie sind aber schon was älter, das muss man bedenken 😉  Das wären: Earth, Air, Fire & Water; Living Wicca, The Truth About Witchcraft.

Kurz danach bekam ich „A Charmed Life“ von Patricia Telesco, das viele tolle Übungen hat und generell einen schönen Einblick gibt über einen Alltag, der von Wicca geprägt ist. Auch ein paar Sachen, die Quatsch sind, aber wie immer muss man sich die Sachen rausnehmen, die man für sich als gut empfindet und den Rest weglassen 😉 Auch das Buch würde ich gerade für den Anfang durchaus empfehlen, weil es für die persönliche Initiation tolle Anregungen gibt.

Deutlich intensiver wurde es dann für mich, als ich mich mit Starhawk zu beschäftigen begann. Klassisches Werk von ihr ist The Spiral Dance, das sie nach 20 Jahren nochmal neu ergänzte. Es ist ein Buch, das ich immer noch benutze in meinen Ritualvorbereitungen und zum Nachlesen und Nachschlagen. Ich mag es sehr, denn es ist tiefgehend und schön geschrieben. Solange man alles, was „uralte Religion“ angeht, mit etwas Augenzwinkern betrachtet. Ich persönlich brauche keine „althergebrachte Verehrung der Muttergottheit“ als Legitimation. Starhawk ist politisch sehr engagiert und in der sogenannten Reclaiming-Bewegung aktiv, die sich sehr für Umweltschutz, naturbasierten Ritualen und dazugehöriger sozialer Politik engagiert – Dinge, die für mich alle unmittelbar mit Paganismus und Wicca zusammenhängen. Weitere Bücher von ihr sind Webs of Power und The Earth Path.

Kurzer Exkurs: ihre beiden Romane The Fifth Sacred Thing und City of Refuge sind beide großartig geschrieben und ich möchte sie wärmstens ans Herz legen. Die beiden Romane spielen in einer post-apokalyptischen Welt, in der Ressourcen wie Wasser und Essen knapp geworden sind und zeigen den Kampf einer utopischen Stadt gegen ein größeres, dystopisches Regime. The Fifth Sacred Thing bezieht sich auf die Fünf Heiligen Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Geist.

Das Buch, mit dem ich als Mutter am meisten arbeite derzeit ist Circle Round von Starhawk, Diane Baker und Anne Hill. Nicht nur, dass es einen wirklich schönen Einstieg in Wicca / Paganismus gibt, der verschiedene Auslegungen und Traditionen aufzeigt, es ist kindgerecht und gibt unheimlich viele Rezepte, Anleitungen, Geschichten etc. für ein Feiern des Jahreskreises. Meines Erachtens nach auch absolut für Kinderlose geeignet.

Ebenfalls in meinem Foto, aber von mir tatsächlich noch nicht intensiv betrachtet: Neo-Pagan Sacred Art And Altars von Sabina Magliocco und Practical Spirituality von Kathy Gottberg.

Blogs! Puh, da kenne ich tatsächlich nicht viele. Ich möchte Julias Hausaltar empfehlen, außerdem folge ich auf Instagram einigen tollen Frauen, die aber nicht alle bloggen. Hervorheben möchte ich Cascadian Witch, Amy von Mein Rabennest und Milla von The Woman Who Married A Bear.

Es gibt viel Kitsch, viele Sachen, die man mit hochgezogener Augenbraue betrachten kann und vieles, das für andere passt aber für einen selbst nicht. Unmittelbar verbunden mit Paganismus ist für mich aber ein Respekt für alles Lebende – Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Feminismus, Tierfreundlichkeit sind für mich alles Dinge, die nicht von paganer Spiritualität trennbar sind.

Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Stöbern und findet etwas, das euch anspricht. Wer noch weitere Empfehlungen hat: nur her damit! Ich freue mich über jeden Hinweis und Kommentar 😀

 

PS: Wie ihr sehr, ist die Vielfalt hier nicht so groß. Das liegt primär daran, dass ich schnell Dinge gefunden habe, die für mich funktionieren und die ich dann für mich angepasst habe. Geht und sucht euch das, was für euch passt! )O(

6 Replies to “Hexenwerk. Oder: wo fang ich an?”

  1. WOW! Ein toller Beitrag. Vielen Dank, dass du auf meine Twitteranfrage so schnell reagiert hast. Ich bin gerade ein bisschen überwältigt ob der Menge.

    Mein Interesse für Wicca begann, als ich noch ein kleines Mädchen war, aber damals gab es höchstens Bücher die passend zu „Charmed“ oder „W.I.T.C.H.“ erschienen sind. Vielleicht bin ich auch an die richtigen Sachen nicht heran gekommen, bin ja quasi auf dem Dorf groß geworden.

    Umso überfordernder ist es in der heutigen Welt, weil es so eine Vielfalt an Informationen gibt und ich bin froh, dass ich dich gefunden habe und einfach mal fragen konnte. Denn ehrlich gesagt hatte ich schon ein wenig Angst, mich falsch darüber zu informieren. Vor einiger Zeit hatte ich mal ein Buch in den Händen zum Thema Buddhismus, welches vielversprechend klang und aussah, aber am Ende hatte ich das Gefühl, dass mir gerade erklärt wurde, wie man als Guru quasi einen Harem aufbaut. -.-“ Vorsichtig formuliert.

    Lange Rede kurzer Sinn: Vielen lieben Dank, dass du mir bei meiner Überforderung geholfen hast und so viele Empfehlungen parat hast. 😀 Ich werde mich jetzt ausgiebig mit den ganzen Links beschäftigen. 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Barbara

    1. Ah, das freut mich aber, dass es dir hilft 😀 Wie gesagt – nimm nichts als Dogma, alles als Anregung und vor allem: fühl dich wohl.

  2. Siehst du das alles rein als Hilfsmittel, die „nicht-materielle Wirklichkeit“ oder die „Art der Beziehung zum geistigen“ (zwei, wie ich finde, gute Definitionen für Spiritualität) zu ergründen? Oder glaubst du über das energetische Verbundensein hinaus an weitere religiöse Aspekte?

    1. Was für religiöse Aspekte meinst du? Willentliche Erschaffung der Welt durch eine Schöpfergottheit oder göttlich auferlegte Vorgaben, sowas? Dann: nein.

      1. Sorry, das hätte ich ausführlicher fragen sollen. Daß du nicht direkt an Gottheiten oder Tarot-Vorhersagen glaubst, habe ich verstanden. Was mich interessieren würde, ist – falls du das überhaupt beantworten willst – die Intention. Pickst du dir bewusst die Rituale und Ideen als zweckmäßige, faszinierende, aber darüber hinaus völlig unverbindliche Mittel zu einem Zweck heraus? Oder steckt doch auch etwas religiöses in irgendeiner Form dahinter? Das energetische Verbundensein war als Beispiel für etwas gemeint, das zumindest in die Richtung geht. Wenn nicht, fände ich das eine ziemlich interessante Mischung aus emotional und rational.

  3. Vielen Dank Julie 🙂 – Ich würde gerne mal wieder was mit dir zusammen machen.

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