Mein 2017

Irgendwie tu ich mich mit dem Jahresrückblick 2017 besonders schwer. Vielleicht, weil es ein so unfassbar kontrastreiches Jahr war. „Das Jahr der Kraft“ hatte ich es genannt und das war es. Selten habe ich so viel Kraft aufgewandt wie dieses Jahr. Es war ein Turbojahr, das nur so vorbeiwirbelte.

Ich kann die weltpolitische Lage nicht wegignorieren, auch nicht in meinem Alltag. Immer wieder kommt es durch, schlägt Wellen, macht Angst. Es werden grundlegende Dinge der Menschlichkeit und der Demokratie in Frage gestellt, überall auf der Welt. Das kann ich nicht übersehen. Aber ich kann auch nicht dauerhaft all meine Kraft darauf verwenden, das schaffe ich persönlich einfach nicht. Die brauche ich für andere Dinge – wie meine Kinder und meinen Mann und an manchen Tagen auch einfach dazu, den Alltag ohne größeren ARGH hinter mich zu bringen. Trotzdem konnte und habe ich immer wieder diese Kraft aufgebracht. Ich war bei mehreren Demonstrationen – Science March Frankfurt, No AfD-Demo in Marburg – und war aktiv bei Diskussionen beteiligt. Ich habe mich informiert, geschrieben und geteilt.

Und ich halte mich fest an dem Wissen, dass es überall diese Aufschreie gibt, das NEIN-Sagen zu dem, was politisch passiert. Nie habe ich so viele Stimmen gehört, die so laut waren. Nie habe ich von so vielen Demonstrationen gehört und sie gesehen. Die Welt ist bunt und schön und Menschen sind bereit, dafür zu kämpfen und das zu bestätigen.

Hier. Und hier. Und hier. Um nur welche auf kleiner Ebene zu nennen.

Das gibt mir Hoffnung. Und es gibt mir den Mut, weiter laut zu sein und weiter dabei zu sein und nicht aufzugeben. Ich habe Kinder, für die ich die Welt noch lange Zeit schön und lebbar und frei sehen möchte.

Diese angespannte (Hinter)Grundstimmung begleitete mich jedoch das ganze Jahr über. Anfang des Jahres hielt ich massiv mit Schreiben gegen und produzierte wirklich enorm viel. Kreativität hielt mich echt bei der Stange und hat mir wahnsinnig gut getan. Das wurde auch bei einem Besuch in Hamburg im Februar intensiviert. Anna und ich fingen auch in dieser Zeit an, etwas Größeres zu planen, was dann allerdings aufgrund Dingen(TM) im Laufe des Jahres wieder abnahm. Der Gaming Nerd Girls Blog läuft allerdings weiterhin und macht eine Menge Spaß. Im März kam Mass Effect Andromeda und übernahm eine ganze Zeitlang die Kontrolle über meine Freizeit, außerdem kam endlich die Meldung, dass der Kollege, der im Februar sehr plötzlich sehr krank wurde, endlich außer Lebensgefahr war. Ein tolles Ostararitual mit Stina und der erste von zwei Junggesellinnenabschieden rundeten den März ab.

Mit dem Frühling, der da auch massiv Einzug hielt, kam auch etwas mehr Energie auf. Der April war dann auch einfach richtig, richtig gut. Sonne, Zirkus, draußensein, Gaming, Geburtstag und Demo und überhaupt – mein Geburtstag, der auch der Geburtstag meines Neffen wurde. Große, große Liebe. <3 Es gab Besuche bei den Großeltern und die erste Zugfahrt für die Junge, zum Donutessen in Gießen. Der einzige Rückschlag war eine fette Erkältung, die mich überraschend fest im Griff hielt. Ich, die ich selten *richtig* krank war, lag richtig flach. Es sollte nur der erste Teil von zu viel Krankheit sein dieses Jahr.

Die Energieladung Frühling hielt dann auch noch länger vor und der Mai verging wie im Flug. Mit Junggesellinnenabschied Nummer 2 (Jane Austen Krimidinner für Sonja, was so großartig war), mit ihrer Hochzeit und mehr und mehr Frühling. Und: die Jungs machten den Sprung von Duplo zu Lego. Begeisterung allenthalben ^_^

Der Juni zog nochmal ordentlich an, was Temperaturen und schönes Wetter angeht. Es war endlich Frühsommer und wir waren entsprechend viel draußen. Allerdings war auch Schlafmangelzeit – hier schreib ich ein wenig mehr darüber. Aber vor allem war es mein Tattoomonat! Ich fuhr nach Berlin und ließ mich von der wunderbaren Eephi tätowieren. Es ist wunderschön geworden und ich bin sehr glücklich damit. Außerdem habe ich endlich Julia und Zesyra in persona kennengelernt und es war ein wirklich toller Tag. Leider habe ich mir auf der Fahrt nach Berlin eine schwere Infektion zugezogen. Also richtig fies. Mandelentzündung in einer extremen Form, die ich seit bestimmt fast 20 Jahren nicht mehr hatte – inklusive zwei Wochen Bettlägerigkeit, 40°Fieber und viel Antibiotika.

Als das endlich überstanden war, hatte uns der Sommer mit voller Macht eingeholt.

Entsprechend waren wir viel, viel unterwegs. Zu Besuchen, hatten Besuch bei uns, waren auf Spielplätzen und im Wald und im Naturschutzgebiet, waren Eisessen und Schwimmen und tobten. Die Jungs zerstörten unseren Esstisch, wir besorgten einen neuen (welch praktische Gelegenheit, da wir schon länger einen anderen haben wollten), und bei der Gelegenheit wurde das Wohnzimmer umgestellt und optimiert. Mal wieder. Aber es ist wirklich nicht gelogen, wenn ich sage, dass es jedes Mal besser wird 😉 Eine Hochzeit gab es außerdem und war richtig schön.

Der Juli endete dann mit einem richtig tollen Geburtstag der Jungs und ging in den Sommerurlaub (bei leider nur mäßigem Sommerwetter) über. Wir waren in Hamburg auf einem Überraschungsbesuch. Meine Schwester war mit ihrem Kleinen bei meiner Omi, die am gleichen Tag Geburtstag hat wie die Zwillinge und da ich sie auch schon länger nicht gesehen hatte, beschlossen wir, dass wir das einfach verbinden. So tauchten wir unangemeldet bei meiner Omi auf, die sich wahnsinnig freute. Es wurden ein paar tolle Tage und nach nur kurzem Aufenthalt daheim besuchten wir dann im August auch noch meine Mama.

Oh, das Sommerfest war natürlich ebenfalls, fiel aber wortwörtlich ins Wasser – wir wurden komplett zugeregnet. Das erste Sommerfest, das uns verregnete. Vielleicht war es das, was mich wieder krankwerden ließ, aber mein Urlaub endete leider mit noch mehr Antibiotika. Zurück auf der Arbeit wurde ich zunehmend gefrustet und auch wenn ich wirklich viel dagegen tat, merkte ich, wie massiv ich runtergezogen wurde von allem. Anzeichen für die Wahl im September, kaum wahrnehmbarer Sommer, viel Regen, körperlich erschöpft, scheiß Situation auf der Arbeit.

Der September war dann wieder wahnsinnig voll und erschöpfend. Die dritte Hochzeit des Jahres, Konzertvorbereitungen, Büroumzug und Demo und Wahl und gnaah, trotz viel Schönem.

Kurz: es ging mir nicht sonderlich gut, was sich in deutlicher Gereiztheit, kaum Geduld und Zurückziehen in mich selbst äußerte und vieles belastete. Da Leander aber der Beste ist, sprachen wir viel darüber und fanden Lösungen. Und es half.

Ich war beim Eldaringstammtisch, was richtig schön war und ließ mich komplett in den deutlich beginnenden Herbst fallen. Der legte auch so richtig los, der Oktober war golden und bunt. Wir ließen Drachen steigen und aßen die ersten Lebkuchen, wir gingen in die Sauna und mummelten uns ein, quatschten, trafen uns mit Freunden und genoßen die Zeit. Und es wurden gleich zwei Babies geboren – noch ein Neffe (von Leanders Seite) und im Freundeskreis noch ein Junge. Whee!

Es war ein kurzer, erholsamer Monat, den ich aber in seiner Ruhe durchaus gebraucht habe. Der November wirbelte nämlich sehr los. Das Tanzwochenende war grandios, es gab einen Besuch meiner Eltern, ich war im Kino und hatte Probenwochenende, Orin war zu Besuch und ich hatte ein Bewerbungsgespräch und kurz darauf einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche und eine Kündigung geschrieben.

Oh, wie nötig, wie überfällig das war. Auch wenn ich immer noch ängstlich bin – eine Umstellung ist es allemal. Aber da ich mir eine Frist bis Mitte diesen Jahres gesetzt hatte, um etwas Neues zu finden, bevor ich in die Arbeitslosigkeit gekündigt hätte, ist es auch genau das Richtige.

Mit dieser Neuigkeit und Aussicht ging es in den Dezember, der vor allem von überwältigend intensiver Weihnachts-/Yulestimmung und viel Arbeit geprägt war. Vorbereitungen auf gleich zwei Audits auf der Arbeit auf der einen Seite und Gemütlichkeit auf der anderen. Yul war auch dann richtig, richtig schön. Wir feierten mit Freunden und gutem Essen und dann Weihnachten mit Familie und mehr gutem Essen, wie mir meine Waage unmissverständlich mitteilt. Und richtig winterlich war es außerdem. Richtig toll.

Es war also ohne Zweifel ein Jahr mit viel Auf und Ab. Und mitten in all den Ereignissen umtrubeln uns zwei Goldkinder, die toller nicht sein könnten. Dieses Jahr hat uns so viel Selbstständigkeit der Jungs gebracht, so viel Neues und Gelerntes, so viel Nähe und Freude und Chaos und Gejammer und Gespräche. Wir finden unseren Weg mit den beiden immer wieder neu und lachen einfach unheimlich viel mit ihnen.

Wenn ich 2017 eines gelernt habe, dann dass wir nicht allein sind. In einem Kampf für Menschlichkeit und Gemeinsamkeit, für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit und Demokratie.

Lasst uns das in dieses neue Jahr mitnehmen, auch wenn es vielleicht kitschig klingt.

Love is all around.
And love isn’t gentle.
It’s fierce.
And protective.
It’s standing up and speaking out and fighting.

Be ready to love.

2018, ready or not, here we come.

2018, das Jahr der Liebe.


Die letzten Jahre: 2016 – das Jahr der Intensität2015 – das Jahr der Taten. 2014 – das Jahr der Suche. 2013 – das Jahr der Tiefe. 2012 – das Jahr des Selbst. 2011 – das Jahr der Erfahrungen. 2010 – das Jahr der Anfänge. 2009 – das Jahr der Erkenntnis. 2008 – das Jahr der Anstrengung. 2007 – das Jahr der Veränderungen.

2 Kommentare bei „Mein 2017“

  1. Ein gelungener Jahresrückblick 🙂
    Du hattest wirklich ein wildes Jahr!

    Ich wünsche Dir ein ruhigeres, aber nicht weniger spannendes 2018.

    1. Huch, den Kommentar seh ich ja erst jetzt!! Vielen Dank – das wünsche ich dir auch 🙂

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